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„Taten statt Worte" - 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 07. April 2019

„Taten statt Worte" - 100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland

Die CSU hat es möglich gemacht und die Autorin Adelheid Schmidt-Thomé zum Thema „Frauenwahlrecht" in den Bürgersaal nach Haar eingeladen.

Die Autorin, die bereits mit den beiden Büchern „Sozial bis radikal: Politische Münchnerinnen im Porträt" und „Vergessene Münchnerinnen: 30 Lebensbilder" zahlreiche Erfolge feierte, hielt hierzu am Abend des 3. April 2019 einen Vortrag. Sie betitelte den Vortrag mit „Taten statt Worte". Ziemlich passend zum Thema, in dem es um 100 Jahre Frauenwahlrecht ging.

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Die gebürtige Starnbergerin wohnt mittlerweile in der Isarvorstadt, in der Nähe vom Alten Südfriedhof, ein Lieblingsort der leidenschaftlichen Münchnerin, der sie zu dem Projekt „Vergessene Münchnerinnen" inspirierte.

Adelheid Schmidt-Thomé wunderte sich über die seltsamen Aufschriften auf den Grabsteinen im Alten Südfriedhof, auf denen nur Witwe, Tochter oder Gattin zu lesen war. Eines Tages nahm die Autorin dann an einer der legendären Friedhofsführungen teil, um etwas mehr darüber in Erfahrung zu bringen.
Im Jahr 1918 wurde in Deutschland das Frauenwahlrecht eingeführt, zeitgleich mit den Ländern Österreich, Polen, Island, Großbritannien, Luxemburg und Lettland. Die ersten, die das Wahlrecht für Frauen einführten, waren im Jahr 1906 die Finnen.
Vorher durften Frauen nicht arbeiten bzw. durften sie nur die Berufe Lehrerin, Schauspielerin oder Sängerin ausüben.
Danach kam dann die Frauenbewegung. Die erste Frau der Frauenrechtsbewegung in Frankreich war Olympe de Gouges.
Im Jahr 1944 nahm Carrie Chapman Catt, eine US-amerikanische Frauenwahlrechts-Führerin, an der Frauenbewegung in Berlin teil. Sie kämpfte aber auch erfolgreich für das 19. Amendment zur Verfassung der Vereinigten Staaten als Präsidentin der National American Woman Suffrage Association. Dies gab 1920 den Frauen der Vereinigten Staaten das Recht zur Wahl. Sie war auch zweimal Präsidentin der NAWSA und Begründerin der League of Women Voters und der International Alliance of Woman.
Frances Perkins war nicht nur die erste Frau als Leiterin des Arbeitsministeriums der Vereinigten Staaten, sie war auch Autorin einiger Bücher und ist gleichzeitig die Person, die das Amt als Arbeitsministerin am längsten innehatte. Von Franklin D. Roosevelt wurde sie zum ersten weiblichen Minister der Vereinigten Staaten ernannt.
Anita Augsburg war Deutschlands erste promovierte Juristin, die sich ab dem Ende des 19. Jahrhunderts für soziale und politische Rechte der Frauen einsetzte. Ihr vorrangiges Ziel war die Einführung des Frauenwahlrechts.
Mehr als 1000 Frauen gingen im Gefängnis in den Hungerstreik.
Im Jahr 1903 wurden Frauen in Deutschland erstmals an der Universität zugelassen. Im Jahr 1912 war das Münchner Luisengymnasium das erste Gymnasium, dass Frauen zum Abitur zuließ. Ein weiteres Münchner Gymnasium schloss sich zwei Jahre später an.
Der 1. Internationale Frauentag wurde im Jahr 1911 von Clara Zetkin ins Leben gerufen. Dieser Internationale Frauentag, war die wichtigste Kundgebung für das Frauenwahlrecht gewesen, welche die Geschichte der Bewegung für die Emanzipation des weiblichen Geschlechts bis heute verzeichnen kann.
Am 1. Januar 1902 wurde der Deutsche Verband für Frauenstimmrecht in Hamburg als Deutscher Verein für Frauenstimmrecht gegründet und 2 Jahre später in den Deutschen Verband für Frauenstimmrecht umgewandelt.
Die CSU Haar durfte sich zu ihrem Vortragsabend über etwa 50 Teilnehmer freuen, die dem Vortrag der Historikerin Adelheid Schmidt-Thomé sehr interessiert lauschten.
Jeannette Pickering Rankin war eine US-amerikanische Politikerin, Frauenrechtlerin und Friedensaktivistin, war aber auch die erste Frau, die in den Kongress der Vereinigten Staaten und dort ins US-Repräsentantenhaus gewählt wurde. Die Bürgerinnen und Bürger erfuhren von Thomé aber auch, dass Anita Augsburg 1912 zur ersten Frauenstimmrechtsdemo in München aufrief.
Adelheid Schmidt-Thomé iniziierte aber auch die ersten Frauen, die am 12. Januar 1919 nach einer Revolution von Luise Kiesselbach, Mitglied des Paritätischen Nationalrates, in den bayerischen Landtag gewählt wurden: Ellen Amann (BVP), Aurelia Deffner (SPD), Aloisia Eberle (BVP), Käthe Günther (DDP), Maria von Gebsattel (BVP), Emilie Mauerer (SPD) und Therese Schmidt (BVP).

Nach dem kurzweiligen, aber doch sehr informativen Referat kamen die Interessenten im Rahmen einer Diskussionsrunde zum Mitgestalten. Es wurden viele interessante Feststellungen von den Anwesenden, wie z. B. „Bei vielen gesellschaftlichen, politischen Themen seien Frauen oft weiter als in ihrem Handeln" oder „welche Möglichkeiten würden bestehen, um Frauen stärker auch im kommunalpolitischen Bereich stärker zu platzieren?" und „Frauen müssen auch von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, um letztendlich andere weibliche Kandidatinnen zu unterstützen"...

Bei der CSU Haar sind inzwischen 5 Frauen im Ortsverband und 3 Frauen sogar in der Fraktion. Es ist enorm wichtig, dass Frauen für die Kommunalpolitik in Haar gewonnen werden. Leider ist es durch die Doppelbelastung von Familie und Beruf für viele Frauen aber kaum zu bewerkstelligen, sich ehrenamtlich zu engagieren.
„Die Veranstaltung hat mal wieder gezeigt, dass die Haarer CSU eine Partei ist, bei der sich Politik und Moderne verbinden." (Zitat von Alois Rath, Ortsgeschäftsführer)
Adelheid Schmidt-Thomé ist neben den beiden erwähnten Büchern im Jahr 2019 auch Herausgeberin von einem Kalender, der darüber erzählt, wie es zum Frauenwahlrecht kam. Sie stellt darin auch die Vorkämpferinnen und ersten weiblichen Landtagsabgeordneten in Bayern vor.

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Seit den Recherchen zu Frauen auf dem Alten Südfriedhof und ihrem Debüt der „Vergessenen Münchnerinnen" im Sommer 2017 hat das Thema „Frauen und ihre Geschichte(n) sie nicht mehr losgelassen.

Für Sie berichtete Petra Schönberger.

 

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