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„Wir haben keinen Planeten B“

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 20. Oktober 2018

Vortrag von Dr. Anton Hofreiter

Der Ortsverband der Grünen in Haar hatte eingeladen und viele kamen. Der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Deutschen Bundestag zog mit seinem Vortrag am Freitagabend, 5. Oktober 2018, großes Interesse auf sich.

Dr. Ulrich Leiner, Sprecher der Grünen in Haar, begrüßte sichtlich erfreut die vielen Zuhörer im gut gefüllten Bürgersaal. Ihm zur Seite saßen Martin Wagner und Claudia Köhler.

Dr. Anton Hofreiter erzählte über das Klima. Er berichtete von den adaptiven Reaktionsmöglichkeiten der Umwelt auf Katastrophen. Und trotzdem gäbe es eine Klimakatastrophe, so der Wissenschaftler. Sein Einwand: „Keiner hat Zeit für die Erholung des Planeten, aber die Natur, die hat Zeit!" Er führte den Zeitfaktor als entscheidendes Kriterium an. Durch den Eingriff des Menschen würde sich das Klima in einer sehr geringeren Zeitspanne wandeln. „Es ist ein Unterschied, ob etwas innerhalb der nächsten 10.000 Jahre geschieht oder in den nächsten 100 Jahren", führte er aus.

Die Folgen des Klimawandels stellte Dr. Anton Hofreiter exemplarisch an einer Temperaturerhöhung um durchschnittlich 2 Grad dar: Die Regenereignisse würden heftiger werden, die Klimazonen wären nicht mehr stabil, weshalb es zu extremen Wetterverhältnissen kommen könnte. Der Jetstream, der für das gemäßigte Klima sorgt, würde nicht mehr in einem stabilen Korridor verlaufen, sondern deutlichen Schwankungen unterworfen sein. Dadurch würde das Klima unberechenbarer und weniger vorhersehbar, die Wetter extremer. Eine weitere Konsequenz des Temperaturanstiegs ist die Erhöhung des Meeresspiegels, weshalb es erneut zu Flüchtlingsströmen käme. Letztlich berichtete er anschaulich, wie er selbst ein Gletschergestein gesehen habe, das aufgrund der Schmelze wie blank poliert aussah. Ein Ergebnis, das jeder in den Bergen selbst wahrnehmen könne, so der begeisterte Berggänger.

anton hofreiter bild 4

Als Verursacher für den Klimawandel benannte der Grünenpolitiker unter anderem Kohle, Erdöl und Erdgas. Die Verbrennung lässt C02 entstehen, was den sogenannten Treibhauseffekt zur Folge hat. Der Treibhauseffekt ist von sich aus jedoch gar nicht schlecht, denn ansonsten wäre die Erde kalt. Aber, so stellte der Grünen-Politiker nun bildlich dar: „Die Wärme ist angestiegen und im Gegensatz zu einem Treibhaus können wir kein Fenster kippen, um die Warmluft entweichen zu lassen."

Hofreiter vertrat die Meinung, dass sich Deutschland aufgrund seiner Stellung als viertgrößte Industrienation nicht aus der Verantwortung stehlen könne. Und untermauerte seinen Aufruf zu handeln mit dem Argument, dass nicht etwa China die meiste Braunkohle in absoluten Zahlen berechnet abbaue, sondern Deutschland. Und gerade der Braunkohleabbau sei so umweltschädlich. Politik und Konzerne zog er zur Verantwortung in ihrem bedingungslosen Gewinnstreben und geißelte deren Streben nach Machterhalt und ihre Gier.

Seinen Ausführungen entsprechend trat er für einen Ausstieg aus der derzeitigen Energiepolitik ein. Zudem sprach er sich für eine andere Verkehrspolitik aus. Hier fokussierte er auf die Deutsche Bundesbahn und auf die Autoindustrie. Als letzten Punkt nannte er die Gemeinwohlökonomie.

Am Ende seines ruhigen, informativen Auftritts stellte er sich den Fragen der Zuhörer. Es kamen Fachfragen zu unterschiedlichen Lösungswegen, sodass einvernehmlich über das Für und Wider diskutiert wurde. Doch einen Weg legte er allen Zuhörern des Abends nahe: „ Gehen Sie zur Wahl. Die Demokratie ist es wert, verteidigt zu werden."

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

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