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Neujahrsempfang im Zeichen der Gemeinschaft

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 23. Januar 2016

Brigitte Ziegler als Gründerin des FAM geehrt

 

Im Gemeindehaus von St. Bonifatius begrüßte Pfarrer Markus Bittner am Sonntag, 17. Januar 2016, Vertreter der politischen wie kirchlichen Gemeinden und Gäste zum traditionellen Neujahrsempfang, in dessen Rahmen die Gemeinde auch die Goldene Ehrennadel verleiht. Doch bevor die Ehrung stattfand, gab es nachdenkliche Töne vom Gastgeber wie von Bürgermeisterin Gabriele Müller.

 

Pfarrer Markus Bittner zitierte gleich anfangs in seiner Rede Albert Einstein mit den Worten: »Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.« Doch die Vergangenheit ließe sich nicht einfach ignorieren, wie der katholische Pfarrer von Haar zu bedenken gab. Und er selbst beschrieb einem Faden, der die Zeit im Laufe eines Menschenlebens darstellen sollte. Dieser Faden sei durchsetzt mit Knotenpunkte, die wiederum die Verbindung zu anderen Menschen, zu anderen Lebensgeschichten knüpfen würden. Knäuel und Verschlingungen würden für die Schwierigkeiten und Schmerzen im Leben stehen, die jedem einzelnen widerfahren.

Gemeindeneujahrsempfang bild 1

 

Faden und Knäuel als Bild für das Leben

Im Rückblick kam Markus Bittner dann auf die Knäuel des vergangenen Jahres zu sprechen und zählte auch einige Flugzeugabstürze auf, die neben den Terroranschlägen viele Menschenleben gefordert hatten. Er zitierte den Papst, der in seinem Jahresschlussgottesdienst von den vielen Tagen gesprochen hatte, die durch Leid und Tod geprägt waren. Der katholische Pfarrer – mit Blick auf diese Vergangenheit – gab zum Ausdruck, dass er auf die Liebe der Menschen untereinander vertraut, auf das Gute, das seiner Meinung nach immer gewinnen würde. Weihnachten stehe für einen Neuanfang. Und so würde auch er das neue Jahr als Chance, als Gelegenheit für viele Neuanfänge sehen. Er hoffe auf ein gutes neues Jahr, auch wenn manches Knäuel im Faden störe.

Ein Miteinander für die Zukunft 

Gabriele Müller, Erste Bürgermeisterin von Haar, ging in ihrem politischen Rückblick auf 2015 als ein weiteres Krisenjahr nach 2014 ein. Die beiden großen Themen, die Euro- und die Flüchtlingskrise, belasten in ihren Augen die Idee eines gemeinsamen Europas. Als Anschläge auf den westlichen Lebensstil und die Lebensfreude bezeichnete sie die Terrorakte des letzten Jahres. Die Bedrohung käme näher, doch wenn wir aus Vorsicht in ein Klima der Angst geraten würden, hätten die Terroristen ihr Ziel erreicht, so Gabriele Müller. Sie wiederholte Sätze der Bundeskanzlerin Angela Merkel aus deren Neujahrsrede von 2014 zum Thema Flüchtlinge, die aktueller denn je klangen.

Mit dem Flüchtlingsthema wandte sich die Bürgermeisterin von der Weltpolitik der kommunalen Politik zu. Der Landkreis habe beispiellos gezeigt, was organisatorisch und human möglich gewesen wäre. Die Willkommenskultur sowie die Hilfsbereitschaft all der professionellen Helfer, der Ehrenamtlichen wie der vielen Freiwilligen sei bis heute ungebrochen. Und das Thema werde sie alle weiterhin beschäftigen, denn auch 2016 würden der Gemeinde Flüchtlinge zugeteilt werden. Statistisch gesehen ist Haar verpflichtet, 540 Menschen aufzunehmen. Um den geschürten Ängsten gegenüberzutreten, appellierte sie an die Anwesenden, sich besonnen zu verhalten und den humanistischen Idealen verbunden zu bleiben. Ihre Haltung, die Haltung der Menschen in Haar, würde die Gemeinschaft zukünftig prägen. Und sie beschwor das Miteinander mit den Worten: »Ich werde auf Sie angewiesen sein.«

Entschieden bezog sie Position zu den Silvester-Ereignissen: »Gewalt gegen Frauen geht gar nicht. Auch nicht gegen Kinder und Männer. In unserem Land geht das überhaupt nicht!« Sie erinnerte eindringlich daran, dass aufgrund der Gewaltenteilung im Grundgesetz aus gutem Grund die Gewalt als Instrument allein der Polizei vorbehalten sei. Es gelte, den Geist des Grundgesetzes weiterzutragen.

Herausforderungen auch im neuen Jahr

Im Ausblick auf das Jahr 2016 sprach sie die Themen an, die die Gemeinde im Jahr 2016 beschäftigen werden. Es werde weiterhin um die Realschule mit BOS/FOS gehen, um die Ganztagsbetreuung von Schulkindern und um die Frage nach bezahlbaremWohnraum. Abschließend erläuterte sie, dass das aktuelle Erdzeitalter Anthropozen genannt wird. Der Mensch würde nicht mehr nur als Bewohner, sondern als Gestalter der Erde auftreten. »Lassen Sie uns unseren Beitrag leisten«, so schloss sie ihre Rede.

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Goldene Ehrennadel für FAM-Gründerin Brigitte Ziegler 

Sichtlich froh gelaunt und fröhlich ehrte Bürgermeisterin Gabriele Müller zum Ende des Neujahrsempfangs im Namen der Gemeinde Brigitte Ziegler mit der Goldenen Ehrennadel. Der Gemeinderat würdigte die Gründerin des Familienzentrums in Haar, kurz FAM genannt, für ihre Initiative, für ihre Durchsetzungskraft und ihren Einsatz. Das Familienzentrum initierte Brigitte Ziegler in den frühen 1980er-Jahren. 1988 zog dann das FAM in die Dragoni-Villa, in der es bis heute eine Heimstatt gefunden hat. Bis heute wird dieses sogenannte niederschwellige Angebot für Familien vom Landratsamt gefördert. Denn es gehe nicht nur um »Kaffeetrinken«, sondern es stecke viel fundierte sozialpädagogische Arbeit dahinter, so Gabriele Müller. Sie ging selbst, wie so viele engagierte Frauen in Haar, ihren Weg durchs FAM. »Du hast die Gabe gehabt, die Frauen in ihren Fähigkeiten zu stärken und zu ihrem eigenen Stil zu ermutigen.« Sie lobte das empathische Wirken von Brigitte Ziegler und fuhr fort, dass Ziegler im FAM ihr Talent einsetzte, um Menschen zusammenzuführen, zu leiten, weiter- und fortzubilden. Die Bürgermeisterin dankte der Gründerin des FAM im Namen aller Haarer Familien, deren Lebensqualität die Geehrte deutlich verbessert habe.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

Fotos: Petra Schönberger

 

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