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Schul- und Wohnungsbau, Gemeindefinanzen und Bürgerfragen

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 11. Dezember 2015

Bürgerversammlung in Haar widmet sich Themen, die die Menschen bewegen

Jedes Jahr im Dezember lädt die Gemeindeverwaltung in den Bürgersaal zu einer Bürgerversammlung ein, um sie über Vergangenes zu informieren, über den Status quo und was nächstes Jahr kommen wird. So auch dieses Jahr am Mittwochabend, den 9. Dezember 2015. Im Vordergrund standen die verschiedenen Bauvorhaben der Gemeinde und die Finanzen.

Bürgermeisterin Gabriele Müller begann mit einer Erklärung, welcher Sinn einer Bürgerversammlung innewohnt und welche Bedeutung den gestellten Fragen beigemessen wird. »Wir gehen jedem Thema nach. Und wenn es ein größeres Thema ist, dann legen wir es dem Gemeinderat vor.« Und sie betonte nochmals: »Sie geben mir die Dinge auf in der Bürgerversammlung, wir nehmen`s mit und kümmern uns.«

»Ich will sie mitnehmen in die Themen, die wir gerade im Gemeinderat vor uns haben«, so leitete sie dann in den Referatsteil über. Sie stellte der Bürgerversammlung die Herausforderungen vor, die auf die dynamische und wachsende Gemeinde zukommen werden. Die Bevölkerungszahlen zeigten den ungebrochenen Zuzug nach Haar und damit kämen auch mehr Kinder in die Gemeinde. Sie verdeutlichte den Handlungsbedarf in der Nachmittagsbetreuung der Schulkinder.  »Wir brauchen grundlegend eine neue Lösung. An Ganztagsbetreuung und an Schulplätzen.« Damit kam sie auf den Bau einer neuen Grundschule zu sprechen, der ansteht. Sie präsentierte einen Architektenentwurf, der vorsieht auf der bestehenden Grundschule oben anzubauen, was auch für das Gymnasium eine Option wäre, sowie einen Anbau. Diese Möglichkeit würde der Leitlinie entsprechen, die sich die Gemeinde Haar gegeben hat.

Vortrag Buergermeisterin 4

Traditionsgemäß erläuterte die Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Haar, Gabriele Müller, den Bürgern, wo die Gemeinde steht, welche Aufgaben auf die Gemeinde zukommen

Damit kam sie auf die Frage der Finanzen zu sprechen. Eine Stabilisierung war zu verzeichnen. Doch der Bau der beschlossenen Realschule und des Schulcampus mit BOS/FOS wird wieder zulasten der Gemeindefinanzen gehen. »Mit dem Schulbau gehen wir an unser Eingemachtes«, sagte die Bürgermeisterin und fuhr fort »Sie sehen, dass man vernünftig haushalten muss. Man muss sich überlegen, was sind die Schwerpunkte und was sind die Pflichtaufgaben einer Gemeinde.« Dazu gehört es, Schulplätze für Grundschüler zu schaffen. Sie zählte auch die weiteren Investitionen auf, die die Gemeinde vorsieht, so auch im Wohnungsbau. Denn die Gemeinde möchte selbst Wohnungsraum schaffen, um das Haarer Modell umsetzen zu können. Das Haarer Modell kommt sozial schwächeren Familien zugute.

Mit den Bauvorhaben sind auch Grundstücksfragen verbunden und die Bürgermeisterin erklärte nochmals in aller Deutlichkeit, dass gerade für einen Bau des Schulcampus mit Realschule und BOS/FOS die Gemeinde kein Grundstück in entsprechender Größe besitzt. Die ins Auge gefassten Standorte gehören Privatleuten, der Stadt München oder dem Bezirk. Gespräche mit den Besitzern sind notwendig. So auch mit der Eigentümerin am Rappenweg, die einen Handwerkerhof erbauen möchte, ohne die Gemeinde anzuhören. Gabriele Müller führte aus, weshalb sie gegen das Bauvorhaben der Eigentümer geklagt hat: Der Rappenweg könnte nie ausgebaut werden. Eine zukünftige Tangente von Eglfing über Gronsdorf in die Stadt München, auch zur Entlastung der B304, müsste ansonsten endgültig ad acta gelegt werden. Selbst Bürgermeister Reiter aus München habe sich nun eingeschaltet. Positiv hingegen ist, dass die Gemeinde mit einem Unternehmen aus der Nanotechnologie einen ernsthaften Kaufinteressenten für ein gemeindliches Grundstück im Gewerbegebiet gefunden hat. Das wäre selbstverständlich auch für die Gewerbesteuereinnahmen der Gemeinde Haar positiv.

Hinsichtlich der Flüchtlinge betonte Gabriele Müller, wie engagiert die Menschen in der Gemeinde helfen. »Mit Unterstützung der Gemeinden macht hier der Landkreis einen guten Job«, stellte sie anerkennend fest. Sie sprach die Unterbringungen an und wo in Haar gebaut werden soll bzw. schon wird. Zum Beispiel die Traglufthalle am Gutshof. Oder das Grundstück an der Brunnerstraße. Darauf sollen drei Häuser in Holständerbauweise errichtet werden. Sie hob hervor, dass die Gemeinde sogar von den Flüchtlingen profitiert habe: Ein Flüchtling wird als Bäderfachgehilfe ausgebildet, eine Stelle, die zuvor jahrelang nicht besetzt werden konnte. Auf Probleme angesprochen, antwortete die Bürgermeisterin: »Wir bemühen uns, die Probleme zu lösen.«

Hingegen sei der Bahnhof ein Problem. Bestehende Verträge des geplanten Umbaus und der künstlerischen Ausgestaltung müssen gekündigt werden, da diese unter den von der Bahn gestellten Bedingungen nicht mehr zu realisieren sind. »Wir seufzen jetzt alle mal. Noch einmal schauen und seufzen, dann ist es weg.«, so Gabriele Müller, die die Hoffnung nicht aufgibt, dem Bahnhof irgendwann doch noch ein schönes Gesicht geben zu können.

Abschließend ging sie auf die Veranstaltungen und Ereignisse des Jahres ein, auf die Verdienste der Vereine ein und hob das Projekt der Bürgerstiftung »Wohnen für Hilfe« hervor und bedankte sich vor allem auch bei der Freiwilligen Feuerwehr für ihre Leistungen. Traditionell lud sie die Haarer zum Silvester-Feuerwerk ein.

Dem Vortrag der Bürgermeisterin schloss sich Polizeiinspektor Karlheinz Schilling mit seinem Jahresbericht an. Im Polizeibericht trug er Statistiken vor über die Kriminalität und die kleineren Vergehen in Haar, angefangen von den Verkehrsunfällen mit Fahrerflucht bis hin zu den weiter sehr hoch ansteigenden »Dämmerungs- und Wohnungseinbrüchen«. Auch aktuell lebt der Enkeltrickbetrug wieder auf, wie er ausführte.

Ernst Weidenbusch, als Vertreter des Landrats Christoph Göbel, griff das Schulthema auf und ging auf die Flüchtlingsfrage ein. Er kündigte an, dass bis zum Jahresende mit 9.000 Flüchtlingen im Landkreis zu rechnen wäre und bekräftigte, dass die derzeit ankommenden Asylsuchenden zu mehr als 50 Prozent Syrer sind, Menschen, für die das Asylrecht geschaffen worden ist. Er ging auf die Ängste auf beiden Seiten ein und sagte: »Jeder darf Angst haben. Die haben genauso Angst. Es ist die Aufgabe der Politik, diese Ängste zu überwinden.« Hierfür erntete er viel Applaus.

In der anschließenden Fragerunde fragte Norbert König nochmals nach, wann genau denn die Turnhalle an der Jagdfeldschule wieder frei werden würde. Ernst Weidenbusch hatte eine konkrete Antwort parat: am 7. Februar 2016.

Fragen, die die Bürgermeisterin, mitnehmen wird, sind die ausführlichen und detaillierten Verkehrsfragen von Franz Zölß. Ebenfalls nicht direkt vor Ort konnten die Fragen besorgter Mütter beantwortet werden, die sich über die geänderten Fahrpläne des MVV beschwerten. So machte Claudia Herz aus Ottendichl ihrem Unmut Luft, wie dichtgedrängt in einem überfüllten Bus die Grundschüler von Ottendichl nach Haar in die Schule fahren müssten. Ein zusätzlicher Bus wird nicht eingesetzt werden, das bestätigte Ernst Weidenbusch. Er zeigte sich jedoch sehr engagiert und wollte sich von der Lage selbst ein Bild machen und versprach der Mutter, morgens um 7.33 Uhr an der Bushaltestelle Andreas-Kasperbauer-Straße zu sein. Eine weitere Mutter, Sabine Reske aus Gronsdorf, beklagte die Fahrpläne, die mit den Schulanfangszeiten des EMG nicht abgestimmt sind. Die Schüler kommen entweder zu spät oder müssten eine ganze Stunde früher mit dem Bus fahren. Ernst Weidenbusch will auch diesem Thema nachgehen.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

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