lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Radl-Highway in die City

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 29. November 2015

Ökologisch vertretbares Verkehrswachstum

Der Vorstand des Bezirksverbands Oberbayern der Grünen, Dr. Markus Büchler, referierte am Montagabend, 23. November 2015, auf Einladung der Haarer Grünen im Veranstaltungsraum der Nachbarschaftshilfe am Kirchenplatz über die Möglichkeiten, wie dem wachsenden Verkehr in der Boomregion München Herr zu werden ist.


Markus Büchler konzentrierte sich in seinem Referat auf den Verkehr. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ist ein sehr wichtiges Thema im Rahmen des weiteren Wachstums des Ballungsraums München. Der Referent stellte die momentane Verkehrssituation dar und belegte mit Zahlen, wie sich das Verkehrsaufkommen im Laufe der Zeit verändert hat. Denn waren es früher hauptsächlich Pendler, die jeden Morgen in die Stadt gefahren sind und abends zurück, so stieg in den letzten Jahren die Anzahl der Pendler in entgegengesetzter Richtung – aus der Stadt raus in den Landkreis – um 25 Prozent. Und auch tangential, also im Ring um München herum, hat der Verkehr stark zugenommen. Die Arbeitsplätze im Speckgürtel von München stiegen in den vergangenen 15 Jahren um 25 Prozent. Entsprechend ist der Verkehr der Berufspendler im Ring in gleicher Höhe gestiegen.

Der Landkreis München zählt zu den Wachstumsregionen. In den nächsten 20 Jahren werde mit einem Zuwachs von 50.000 Menschen im Landkreis gerechnet und Haar gelte auch als Wachstumsgemeinde, so der Verkehrsexperte. „Das Problem ist der Verkehr. Damit steht und fällt die Lebensqualität in Zukunft in unserer Region.“ Querverbindungen im öffentlichen Nahverkehr zwischen den S-Bahn-Stationen im Landkreis wären eine Verbesserungsmöglichkeit. Vereinzelt gibt es tangentiale Buslinien. „Doch das steckt auch noch in den Kinderschuhen“, meinte Markus Büchler. Express-Busse sollen das weiter verbessern. „Es ist völlig verständlich, dass die Leute, die in Haar wohnen und in Ismaning arbeiten, mit dem Auto fahren. Alles andere ist eigentlich unzumutbar“, so der Vorstand der Grünen des Bezirksverbands Oberbayern. Aber die Zahl derjenigen, die das Auto lieber stehen lassen würden, steige. „Die allgemeine Einsicht ist da“, sagte Markus Büchler. Seine These: „Auch eine wachsende Boomregion kann die Lebensqualität sichern und kann ökologisch gut sein. Der Dreh- und Angelpunkt ist meiner Meinung nach die Verkehrsentwicklung.“

Boomregion Muenchen 3

Dr. Markus Büchler (Mitte), Vorstand der Grünen des Bezirksverbands Oberbayern, stellte Lösungsmöglichkeiten vor, wie in der Boomregion der Stadt München und des Landkreis München der Verkehr in Zukunft ökologisch vertretbar ausgebaut werden kann

Anhand der Städte Wien und Kopenhagen illustrierte der Verkehrsexperte, wie eine „Rückeroberung des öffentlichen Raums“ für Fußgänger und Radfahrer aussehen könnte. In Wien gibt es beispielsweise die Mariahilfer Straße, die längste Fußgängerzone Europas. „Das ist Lebensqualität und Urbanität“, erzählte der Referent begeistert. Und entgegen aller Befürchtungen der Geschäftsleute schnellten die Umsatzzahlen im Einzelhandel empor. „Wer flaniert oder auf dem Rad fährt, bleibt auch mal stehen“, so erklärte Markus Büchler das Phänomen. Kopenhagen beispielsweise habe sehr gute Erfahrungen mit Rad-Schnellwege gemacht. Das Fahrrad als Hauptverkehrsmittel wäre immer mehr gefragt, so der Referent.

Die Rad-Schnellwege sind für Direktverbindungen geeignet, die ein hohes Radverkehrsaufkommen aufweisen und für eine längere Strecke ab 5 Kilometer. Sie sollten mindestens eine Breite von drei Metern haben. Die Merkmale eines Rad-Schnellweges sind: Trennung vom Fußweg, befestigte Oberfläche, Winterdienst, Beleuchtung innerorts, gute Beschilderung. In Kopenhagen fahren mittlerweile mehr Menschen mit dem Fahrrad zur Arbeit als mit dem Auto. Das liegt jedoch auch daran, dass der öffentliche Nahverkehr den Fahrradfahrern in vielerlei Hinsicht entgegenkommt. Sie haben sogar eigene Parkhäuser! Das ist eine Idee, die den Zuhörern am Montagabend sehr gut gefallen hat und für Haar interessant wird, wenn der Bahnhofsumbau ansteht.

„Tolle Beispiele gibt es überall“, resümierte der Verkehrsexperte. Letztlich stellte er vor, welche Vorschläge der Planungsverband äußerer Wirtschaftsraum für München und das Umland hinsichtlich der Rad-Schnellwege erarbeitet hat. Im ersten Schritt soll eine Pilotstrecke von München über Milbertshofen nach Garching gebaut werden, eine Machbarkeitsstudie ist in Auftrag gegeben worden. Neu an diesen Highways ist, dass sie für die Fahrradfahrer, für die Pendler auf ihrem täglichen Weg zur Arbeit oder zum Ausbildungsplatz gedacht sind. Das Potenzial, das darin steckt, werde er weiter vorantrieben, so abschließend Referent Markus Büchler.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok