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Bürgermeisterin mit Leib und Seele

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 23. Januar 2015

Gabriele Müller blickt auf ein bewegtes Jahr zurück, das erste Jahr als Erste Bürgermeisterin der Gemeinde Haar – Ihre Leidenschaft und Ihr Engagement sind unverändert. Das Haarer Echo sprach mit ihr.

Haarer Echo: Wie haben Sie die Feiertage verbracht? Wann war denn Ihr letzter Arbeitstag im Rathaus?

Gabriele Müller: Der 23. Dezember war mein letzter Arbeitstag im alten Jahr. Die Bürgerversammlung am 10. Dezember war noch ein großer Termin, danach ging ich nur noch zum Essen. Es kamen die Weihnachtsfeiern der Vereine, weshalb ich jeden Abend unterwegs war. Eine wunderschöne Zeit. Weihnachten feierte ich in Familie in Haar: ganz klassisch, sehr familienorientiert und mit viel Essen.

Haarer Echo: Wie haben Sie Silvester gefeiert? Wie sonst auch?

Gabriele Müller: Silvester haben wir zu Hause gefeiert, was sehr schön war. Aber das Feuerwerk habe ich dieses Jahr etwas anders erlebt, denn jetzt bin ich als Bürgermeisterin mitverantwortlich und sehe das mit anderen Augen. Die Musik zu den Feuerwerksbildern hat nicht so richtig geklappt. Als Veranstalterin bin ich jetzt in der Verantwortung dafür.

Haarer Echo: Seit wann sind Sie wieder im Rathaus?

Gabriele Müller: Seit Mittwoch, 7. Januar, nach Heilig Drei Könige.

Haarer Echo: Welche Dinge möchten Sie 2015 auf den Weg bringen?

Gabriele Müller: Alles, was ich mir überlegt hatte, musste ich am 7. Januar, als ich die Zeitung aufschlug, über den Haufen werfen, weil ich da lesen konnte, dass wir eine Realschule bekommen. Wir wurden vom Kultusministerium nicht vorab informiert. Es trifft uns aber nicht völlig unvorbereitet. Wir hatten bereits eine Standortstudie in Auftrag gegeben und die Ergebnisse liegen vor. Diese Standortfrage hat, abgesehen von der finanziellen Frage, das Potenzial, Haar weitreichend zu verändern. Das geht weit über den Bau eines Schulhauses hinaus. Es ist ein ganz großer Themenkomplex, der uns beschäftigen wird. Ich muss vor allem in Richtung Campus denken – mit der Fachoberschule und der Berufsfachoberschule. Im Ortsinneren gibt es keine Fläche, die diese Schulen aufnehmen kann. Ich muss immer in unberührte, unbebaute Flächen gehen. Eine Erschließung gibt es dort nicht. Deshalb müssen Straßen gebaut werden und wo Straßen sind, wird es Wohnungsbau geben. Da könnten für die Gemeinde Haar große Veränderungen stattfinden. Für die Realschule käme auch ein Grundstück der Stadt München in Gronsdorf an der S-Bahn infrage, weshalb Gespräche mit Oberbürgermeister Dieter Reiter stattfinden werden. Dieses Thema hat ohne Zweifel 2015 erste Priorität.

Jahresgespraech BM Mueller

Bürgermeisterin Gabriele Müller im Gespräch mit Heiko Schmidt, Inhaber des IKOS Verlag, in dem das Haarer Echo erscheint

Haarer Echo: Wie sieht es mit dem Flüchtlingsthema aus? Stimmt die Kommunikation zwischen dem Landkreis und der Gemeinde?

Gabriele Müller: Die gesamte Struktur ist in Bayern schlecht. Die Ersterfassung ist wohl problematisch. Damit ist jede weitere Art von Kommunikation schwierig, weil man gar nicht weiß, wie viele Flüchtlinge wirklich da sind. Ganz gut funktioniert es bei den minderjährigen unbegleiteten Jugendlichen. Die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt funktioniert sehr gut. Wir haben zusammen Grundstücke angeschaut, es fanden konstruktive Gespräche statt und das Landratsamt freute sich, dass wir offenlegen, was wir anbieten können. Wir haben Kontakte hergestellt zu privaten Privatpersonen und zu Gewerbeimmobilienanbietern, in denen mittlerweile auch eine Unterbringung rechtlich möglich ist.

Haarer Echo: Liegt 2015 bei diesen beiden Punkten der größte Handlungsbedarf der Gemeinde?

Gabriele Müller: Ich möchte einen dritten Themenkomplex hinzufügen. Der städtebauliche Vertrag für Haar II, den Jugendstilpark. Da haben wir große Fortschritte gemacht in den letzten Wochen, so dass ich hoffe, im Herbst dieses Jahres mit dem Neubau des Maria-Stadler-Hauses II beginnen zu können. Dazu muss der städtebauliche Vertrag unter Dach und Fach gebracht werden, das ist ein großes Werk. Also da wird noch viel Arbeit auf uns zukommen! Zu Haar II wird noch hinzukommen, dass wir sehr wahrscheinlich noch eine Grundschule brauchen. Für die Grundschulen sind allein die Kommunen zuständig, finanziell von vorne bis hinten. Wenn die dazu kommt, muss ich jetzt schon die Weichen stellen.

Haarer Echo: Der bezahlbare Wohnungsbau ist immer wieder, auch in anderen Gemeinden, ein Thema. Wie ist das in Haar?

Gabriele Müller: Ja, der kommunale Wohnungsbau kommt noch auf meine To-do-Liste. Wir haben uns ein gemeindliches Grundstück ausgesucht und wollen dort Wohnungsbau realisieren und die zinsgünstige Lage ausnutzen, einen Kredit aufnehmen und bauen. Die Gemeinde selbst baut und vermietet. 130 Wohnungen haben wir derzeit, die wir kommunal belegen, und es gibt eine Warteliste, die ist ähnlich lang. Deshalb müssen wir an dieser Stelle etwas unternehmen. Die Gehälter steigen nicht in der Relation wie die Mieten und immer mehr Menschen können sich die steigenden Mieten nicht mehr leisten, obwohl sie Doppelverdiener sind. Um diese Schere – zumindest in Haar – nicht noch weiter auseinanderklaffen zu lassen, liegt dort ein weiterer Schwerpunkt. Beim Klinikum entsteht Wohneigentum, aber der wird nicht gefördert. Mit den beiden dortigen Investoren wurde jetzt jedoch eine gute Basis gefunden, mit dem Ziel, auch dort günstigeren Wohnraum zu schaffen.

Haarer Echo: Bei einem Jahresrückblick spielen auch immer die Finanzen eine Rolle. Wie sieht es mit der Entwicklung der Gewerbesteuer in Haar aus?

Gabriele Müller: Der Ansatz ist stabil, wir werden uns leicht erhöhen. Die Haarer Unternehmen profitieren von der allgemeinen Wirtschaftslage. Neuansiedlung steht bei uns ganz oben auf der Liste. Aufgrund der Kampagne Workside Haar kommen vermehrt Anfragen rein. Aber Wirtschaftsförderung dauert. Man muss immer dranbleiben und die Kampagne weiterentwickeln. Haar II ist ein Argument für die Ansiedlung, die Schulversorgung und das Erscheinungsbild der Gemeinde. Ich werde tatsächlich gefragt: Wo kann man hier gut zum Essen gehen? Pluspunkte sind die Schulen, aber andere Gemeinden haben auch diese Pluspunkte.

Haarer Echo: Nochmals zur Gewerbesteuer. Wie war denn der Ansatz 2014? Wie viel haben Sie eingeplant und was ist herausgekommen?

Gabriele Müller: Der Ansatz 2014 waren 13 Mio. Zum Jahresende hatten wir 13,8 Millionen an Gewerbesteuereinnahmen verbuchen können und auch 2015 hat der Kämmerer den Ansatz von 13 Mio. Euro gewählt.

Haarer Echo: Wie stehen Sie zur Wirtschaft im Ortskern?

Gabriele Müller: Innerörtlich brauchen wir neben mittelständischen Firmen auch Kleingewerbe, Geschäfte und Handwerk. Man braucht sie zur Versorgung der Bevölkerung. Die Post in der Leibstraße ist besser als der Teppichladen, der zuvor drin war, ersetzt aber keinen Einzelhandel. Dieser Magnet geht nicht von der Post aus. Es wäre ein großer Schritt, dieses ganze Gebiet komplett zu überplanen ...

Haarer Echo: Kehren wir zu einem Resümee Ihrer bisherigen Amtszeit zurück. Welches Erlebnis war für Sie 2014 das positivste?

Gabriele Müller: Für mich persönlich ist es der Platz, auf den ich gewählt worden bin. Das freut mich nach wie vor. Auch wenn die Zeit nicht leicht war, gerade im Sommer und Herbst. Aber im Haus habe ich ein wunderbares Team. Bürgermeisterin zu sein ist ein Beruf, der einen ganz einnimmt. Privat und Beruf verschmelzen. Wenn ich beim Einkaufen bin und nicht mehr nach Hause komme, dann weiß mein Mann schon, woran das liegt.

Haarer Echo: Was hat Sie wirklich gestört im letzten Jahr?

Gabriele Müller: Da waren schon viele belastende Dinge. Bei der ganzen Hochhausdiskussion gab es Scherben und über diese Scherben stolpern wir jetzt. Wie sich der stellvertretende Landrat einmischte, hat mich erstaunt. Die Abstimmung ist gelaufen, das Ergebnis ist da, aber es sind leider auch menschliche Verletzungen entstanden, die noch im Raum stehen.

Haarer Echo: Redet man in den Fraktionen darüber?

Gabriele Müller: Ich hoffe, dass bald eine professionellere Haltung einzieht. Wir sitzen fast jede Woche bei Sitzungen am runden Tisch und diskutieren gemeinsam Sachthemen. Und die Sacharbeit wird auf Dauer das Klima wieder verbessern. Ich merke deutlich, dass der Wille von allen Seiten dazu da ist.

Haarer Echo: Was hilft Ihnen Dampf abzulassen?

Gabriele Müller: Ich gehe mit dem Hund raus. Mit den Leuten auf der Straße spreche ich dann auch mal über ganz andere Dinge und erhalte Zuspruch. Es kommen Themen zur Sprache, wo ich vielleicht sogar meine Hilfe anbieten kann.

Haarer Echo: Was würden Sie 2015 gern mal machen?

Gabriele Müller: Ich reite gern, doch das kommt im Moment etwas zu kurz. Ich habe an Ostern Urlaub geplant, reise mit meiner Tochter nach Marokko und werde eine Reit-Tour durch die Wüste machen.

Haarer Echo: Was bleibt Ihnen – weltpolitisch gesehen – 2014 in Erinnerung? Was ging Ihnen nahe?

Gabriele Müller: Paris und die daraus entstehende Entwicklung gingen mir nahe und Ende 2014 erstaunte mich Pegida. Da ist plötzlich eine Tür in eine Richtung aufgegangen, die ich nicht für möglich gehalten habe. Selbst auf unserer Facebook-Seite gab es ähnliche Kommentare. Das sorgt mich sehr. Und da treibt mich schon um, wie kann ich als Bürgermeisterin damit umgehen. Ich glaube, dass eine Gemeinde und eine Bürgermeisterin da manches steuern können. Beispielsweise wenn ich den Helferkreis für Asylbewerber unterstütze und allgemein das bürgerschaftliche Engagement. Wenn ich das Klima der Offenheit fördere, wie es „Hand in Hand in Haar“ macht, deren Mitglieder unter anderem mit Kindern in der Schule lesen, oder die Bürgerstiftung, die dafür sorgt, dass schlecht Deutsch sprechende Kinder in der Schule Förderunterricht bekommen.

Haarer Echo: Was bleibt positiv in Erinnerung?

Gabriele Müller: Sie müssen wissen, ich bin kein Fußball-Fan. Das Endspiel habe ich beim Mitarbeiterfest des Krankenhauses gesehen. Das war echt schön, im großen Zelt, mit vielen Kindern – eine tolle Atmosphäre. Generell bin ich ein nach vorne orientierter Mensch, weshalb ich jetzt wirklich in Erinnerungen graben müsste ... – etwas Großes war die Einweihung des Poststadls, auch finanziell ein großes Projekt. Aber es hat sich gelohnt. Die griechische Generalkonsulin war hier und hat sich bedankt. Auch die kleineren Vereine erfahren eine Wertschätzung durch den Umzug in dieses Gebäude und erleben einen Aufschwung dadurch, dass sie eine eigene Adresse haben. An diesem Gebäude haben so viele Menschen Freude. Da ist das Geld richtig gut investiert. Das ist Leben, das da entsteht. Das ist wunderschön.

Haarer Echo: Ihre größten Wünsche für 2015?

Gabriele Müller: Dass wir einen guten Platz für die Realschule finden. Dass ich den gemeindlichen Wohnungsbau voranbringen kann und irgendwoher das Geld für die Grundschule zusammenbekomme.

Haarer Echo: Wir bedanken uns für das Gespräch.

Das Interview führten Heiko Schmidt und Reinhild Karasek.

 

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