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Ein Tower für Haar – nein danke!

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 06. Juli 2014

CSU und Bürgerinitiative „Mia san Haar“ legten ihre Standpunkte gegen den geplanten Hochhausbau dar und riefen zur Stimmabgabe am 27. Juli auf

(Text/Fotos: rk) Die Bürgerinitiative „Mia san Haar“ und die Haarer CSU lud am Donnerstagabend, 3. Juli, im Bürgersaal zu einer Veranstaltung ein, um die Vor- und Nachteile eines Hochhauses im Vorfeld des Bürgerentscheids zu diskutieren.  Experten stellten sich den Fragen aus dem Publikum.

 

 

An der Diskussion nahmen teil: Peter Haider und Erwin Oberbuchner aus Haar, die die Bürgerinitiative vertraten, Claudia Weidenbusch aus Salmdorf, Ehefrau des CSU-Landtagsabgeordneten Ernst Weidenbusch und stellvertretender Landrat, Robert Brannekämper aus Bogenhausen, Landtagsabgeordneter der CSU und von Beruf her Architekt, sowie Dr. Ing. Georg Kronawitter, ehemaliger CSU-Stadtrat, aus Waldtrudering. Die Moderation übernahm Dr. Dietrich Keymer, CSU-Gemeinderat aus Haar.

CSU Bürgeriniative Hochhaus Bild 1

Die Podiumsrunde zur Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative „Mir san Haar“ und der Haarer CSU (v.l.n.r.): Peter Haider (Bürgerinitiative „Mir san Haar“, Haar), Robert Brannekämper (Landtagsabgeordneter der CSU, Architekt, Bogenhausen), Moderator Dr. Dietrich Keymer (CSU-Gemeinderat, Haar), Claudia Weidenbusch (Salmdorf) und Dr. Ing. Georg Kronawitter (ehemaliger CSU-Stadtrat, Waldtrudering)

 

Nach der Vorstellung der Gesprächsteilnehmer erteilte Moderator Keymer zuerst Peter Haider das Wort, der als Mitinitiator der Bürgerinitiative „Mir san Haar“ die Befürchtung vieler äußerte: dass es nicht bei diesem einen Hochhaus bliebe. Das Bürgerbegehren mit 1.700 Stimmen habe gezeigt, dass die Haarer Bürger kein Hochhaus wollten. Und wenn die Gemeinde jetzt die vielen Stimmen ignoriere, dann würde der Haarer Bürger verhöhnt werden.

Als unmittelbar Betroffener sprach daraufhin Erwin Oberbuchner, der in der direkten Nachbarschaft des geplanten Hochhauses wohnt. Er legte dar, wie es zum Bürgerbegehren kam, nachdem in den einzelnen Planungsphasen die Ausmaße des „Towers“ kontinuierlich anwuchsen: von 34 Metern auf über 60 Meter. Alles sei zugepflastert. Er führte das „Miteinander“ des vergangenen SPD-Wahlkampfes an und meinte: „Das Miteinander hat gefehlt, davon hätte ich mir mehr gewünscht in diesem Jahr.“

Dietrich Keymer nahm diese Worte auf und betonte, dass sie die Bürger ernst nähmen. Damit gab er an eine nicht direkt Betroffene weiter: Claudia Weidenbusch aus Salmdorf. Weshalb sie sich in die Diskussion einbringe, weshalb sie sich in die Materie eingearbeitet habe? Sie will das Tower-Projekt ausleuchten und zu Ende denken, wie sie es nannte. Sie stellte heraus, dass im Tower selbst es keine einzige sozial gebundene Wohnung gäbe, nur in den vier bis fünf geschossigen Flügeln des Gesamtareals seien 15 Wohnungen vorgesehen. Hierfür gäbe es aber weder eine vertraglich noch schriftliche Vereinbarung. Sie gab ihr Misstrauen zum Ausdruck: „Wenn man den Anfängen nicht wehrt“ und befürchtet, dass dann auch andere Flächen vor der Hochhausbebauung nicht mehr sicher wären.

Anschließend forderte Georg Kronawitter die Bürger Haars auf, sie sollten die Gelegenheit der Kommunalpolitik nutzen und selbst entscheiden und diese Entscheidung nicht dem Gemeinderat überlassen. Seiner Meinung nach gäbe es keinen guten Grund für den Hochhausbau und er erinnerte an den Bürgerentscheid, den der ehemalige Oberbürgermeister der Stadt München, Georg Kronawitter, 2004 durchgesetzt hatte. An die Begrenzung von maximal 100 Metern im Hochhausbau halte sich die Stadt München heute noch, obwohl der Bürgerentscheid nach all den Jahren nicht mehr bindend wäre. Jetzt seien die Bürger Haars an der Reihe mitzubestimmen: „So will ich, dass Haar ausschaut oder nicht.“

Als weiterer externer Fachmann sprach Robert Brannekämper und zeigte eine Alternative auf: Die Borstei. Die denkmalgeschützte Wohnsiedlung wurde in den späten 1920er-Jahren errichtet. Architekt Brannekämper: „Es wurde vieles für Menschen gebaut, aber kein Lebensraum.“ Das was er unter „Lebensraum“ versteht, verdeutlichte er an der Borstei, ein Muster der Nachverdichtung: Mehrgeschossiger Häuserbau, aber in der Anordnung so, dass immer wieder der Abstand zum Nachbarn gewährleistet ist und Grünflächen dazwischen Aufenthaltsmöglichkeiten bieten. Der Experte sprach sich für eine ausgereifte Planung aus, die auch die Frage berücksichtigt, wie man in 20 Jahren leben möchte. Und hier in Haar sähe es seiner Auffassung nach so aus, dass der zweite Schritt vor dem ersten gemacht würde. Er rief auf, nicht einfach zu bauen, sondern zu planen. Der Mensch solle im Mittelpunkt der Planung stehen, weshalb jetzt die Bremse gezogen werden müsse, die die Haarer CSU eingebaut habe.

CSU Bürgeriniative Hochhaus Bild 2

Ein Muster der Nachverdichtung mit Vorbildcharakter: die Borstei, erbaut 1924 – 1929 in München, stellte Architekt Robert Brannekämper auf der Informationsveranstaltung der CSU Haar und der Bürgerinitiative „Mir san Haar“ vor

 

Für die abschließend stattfindende Bürgerfragestunde fanden die Anwesenden Zettel auf den Tischen, auf denen sie Fragen formulieren konnten. Die Zettel wurden eingesammelt und aufs Podium gebracht. So sollte Anonymität gewährleistet werden.

Die Frage, warum sich die Bürgerinitiative und die Haarer CSU genau auf 19 Meter Höhe begrenzen möchte, beantwortete Peter Haider historisch und Robert Brannekämper führte wieder die Borstei an, die mit sechs Geschossen ausgestattet sei, einem Erdgeschoss und fünf Stockwerken. Er betonte erneut, dass der Mensch der Maßstab der Planung sein solle und nicht ein Investor, das sei entscheidend.

Dass ein Hochhausbau kein Mittel ist gegen Wohnungsnot, stellte Georg Kronawitter fest. Zudem würde es nur immer teurer werden. Denn Hochhäuser bräuchten einen 2. Fluchtweg, einen Aufzug. Auch die Wohnenergiekosten wurden angeführt, die dadurch steigen würden, dass ab einer gewissen Höhe die Fenster nicht mehr geöffnet werden könnten, was zur Folge hätte, dass man die Räume klimatisieren müsse.

Claudia Weidenbusch fragte auch noch nach Alternativplanungen, die es aber ihres Wissens nicht gäbe. Läge es am Investor, für den die oberen Wohnungen im Tower vorgesehen wären?

Unbeantwortet blieben noch viele weitere Fragen: Warum wird keine Altersresidenz gebaut? Welche Familien können sich diese Wohnungen eigentlich leisten? Wo bleiben die Wohnungen für Haarer Bürger? Wer ist der Investor? Wie hoch wird der Tower nun wirklich? Weshalb ziehen immer noch mehr Menschen nach Haar?

Und eine Frage brachte diese Veranstaltung, initiiert von der Haarer CSU und der Bürgerinitiative „Mir san Haar“ kurzzeitig zum Kochen: Die Frage, wo die erste Bürgermeisterin Gabriele Müller an diesem Abend sei. Der anonyme Frager unterstellte ihr Desinteresse. Der ehemalige Bürgermeister Helmut Dworzak wollte erklären, Moderator Keymer entzog ihm das Wort. Zum Überkochen kam es nicht, denn Claudia Weidenbusch ergriff das Wort und begrüßte diplomatisch die zweite Bürgermeisterin Katharina Dworzak als Vertreterin der ersten Bürgermeisterin nochmals ausdrücklich. Die Wogen waren geglättet.

Gemeinsam riefen die Redner auf dem Podium abschließend alle auf, zum Bürgerentscheid am Sonntag, 27. Juli, zu gehen und ihre Stimme abzugeben. Die Bürger hätten die Entscheidung in der Hand, wie ihr Ort in Zukunft aussehen solle und wie sie zukünftig leben wollten.

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