lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Bruder Jobst teilt aus

Kategorie: Politik Veröffentlicht: 07. März 2014

Eine vom Wahlkampf geprägte Fastenpredigt am politischen Aschermittwoch in Haar

(Text/Foto: rk) Politiker und Bürger kommen zahlreich zum traditionellen Fischessen am Aschermittwoch der SPD am 5. März in den Haarer Bürgersaal im Bewusstsein, die Fastenzeit mit einem guten Essen einzuläuten und eine außergewöhnliche Fastenpredigt zu hören.

 

 

Partei-Größen versammeln sich an diesem Abend, von den Kommunalpolitikern über die Landratskandidatin Annette Ganssmüller-Maluche bis hin zum Landtagsabgeordneten Prof. Dr. Peter Paul Gantzer. Alle sind sie gespannt, welche Spitze sie von der Kanzel des Fastenpredigers treffen wird.

Bruder Jobst, der in Paulaner-Manier in Kutte und mit einem Bierkrug in der Hand an das Rednerpult kommt, spricht sehr viele kritische Punkte auf jeder politischen Ebene an. Doch zuvor rütteln Helmut Dworzak und Gabriele Müller das Publikum mit ihren Reden auf. Der kommunale Wahlkampf bestimmt den Abend.

Fischessen SPD Bild2

Dr. Alexander Zill (links), Stellvertretender Vorsitzender der Haarer SPD, moderiert den Abend und übergibt einen Präsentkorb an Christian Jobst (rechts); dessen Fastenpredigt als Bruder Jobst in Mönchskutte und mit einem Bierseidl in der Hand stellt den krönenden Abschluss des Abends dar

Helmut Dworzak geht als erster Redner ans Pult. Er selbst hätte sich, wie er sagt, auf einen gemütlichen Abend einrichten wollen. Doch er lässt es sich nicht nehmen, ein paar Anmerkungen zu machen und Ausführungen darzulegen zu den Punkten, die er vom Bürgermeisterkandidaten der CSU im Interview der CSU-Zeitung gelesen habe. Die Widerlegung der einzelnen Punkte ruft Reaktionen im Publikum hervor, die von Gelächter über Erstaunen bis Raunen reichen.

Die eigene Bürgermeisterkandidatin, Gabriele Müller, die als 2. Rednerin folgt, erntet Standing Ovations für ihren Schlussaufruf „Haar hat’s verdient“. Sie referiert in ihrer Aschermittwochsrede über die Punkte, die ihr auch im Wahlkampf am Herzen liegen und verdeutlicht nochmals ihre Standpunkte zur Realschule, zum Bürgerbegehren, zur Plakatierung, zur Kinderbetreuung wie Ganztagsbetreuung sowie zum Projekt „Bahnhof“. Der Bahnhof ist in ihren Augen das Kernprojekt für die nächste Zeit. Beim gesamten Wahlkampfteam und den Unterstützern bedankt sie sich und ruft zum Endspurt auf. Müller weiß, dass es dieses Mal nicht einfach wird, und betont, der Sieg sei nicht garantiert. Gewiss ist ihr jedoch die Zustimmung im Saal. Das ist nicht zu überhören.

Christian Jobst als Bruder Jobst kehrt der Lokalpolitik erst einmal den Rücken und beginnt mit dem internationalen politischen Thema, dem Dauerbrenner des letzten Jahres: der NSA-Skandal. Das erschütterte die politische Bühne weltweit und bringt im Haarer Bürgersaal die ersten Lacher. So wie Bruder Jobst um sein Rednerpult herumgeht, schaut und aufmerkt. Er sucht nach den versteckten Mikrofonen.

Aber der Schwenk auf die Gemeinde folgt auf den Fuß. Zuerst mit dem spitzen Hinweis, was sich dieses Jahr im Vergleich zur Wahl vor 6 Jahren verändert hat: statt des gleichen Gesichts, gleich zwei neue. Dann auch noch insgesamt 4 Parteien!

Dann nimmt er das Lieblingsthema der Haarer CSU – die Realschule –aufs Korn mit den Worten: „G’sagt is leicht, erklärt is scho schwer, aber recht g’macht noch mehr.“ So geißelt er die Unverbindlichkeit der CSU und ihres Kandidaten Thomas Reichel mit ihren hochgesteckten Zielen. Bruder Jobst stellt sie in diesem Sinne in die Tradition von Horst Seehofer.

Der Mönch greift auch das Thema „Wahlplakate“ auf. Nicht wie seine Vorredner übt er Kritik an der Menge der Plakate, sondern an den Motiven. Während Gabriele Müller nach eingehender Bemusterung doch noch gut wegkommt, findet er schiefe Bilder bei der CSU und ihrem Spitzenkandidaten Thomas Reichel. Auch das Umfeld spielt bei der Wahrnehmung eines Wahlplakates eine Rolle und er bringt ein Beispiel: Junger Kandidat der Bayernpartei, gekleidet in Tracht, und daneben der Slogan des Faschingsladens „Kostüme für jedermann!“ Das Lachen des Saals ist dem Kirchenmann damit sicher.

Der Wahlkampf selbst – auch etwas, was sich seiner Meinung im Vergleich zu den Vorjahren stark verändert hat. Während es zu Zeiten von Helmut Dworzak noch den Straßenwahlkampf gegeben hätte, würden die heutigen Veranstaltungen als Happening der trägen Spaßgesellschaft Tribut zollen. Und das über die Parteigrenzen hinweg. Bruder Jobst zählt auf: Drachensteigen, Kartoffelfeuer, Bürgermeister Eis, Schafkopfturnier, Faschingsball und Kochduell.

Lobenswert erscheint ihm als Zeichen lebendiger Demokratie die Initiative eines Bürgerbegehrens. Gleichzeitig missfällt es ihm, wenn wichtige Aspekte nicht zur Sprache gebracht werden und unberücksichtigt bleiben. Damit sei das Bürgerbegehren in seinen Augen nicht klar verständlich und damit nicht ehrlich: Denn der Bevölkerungszuwachs in Haar, der unbezweifelt Wohnraum brauche, stelle die Forderung einer generellen Baubegrenzung auf 19 Meter Bauhöhe – niedriger als viele bestehende Häuser im Jagdfeld – infrage. Er ruft die CSU auf, den Bürgern die Sachverhalte richtig zu erklären und sie zu überzeugen. Auf kommunaler wie auf Landesebene.

Zum Ende findet er mildere Töne, wenn er die Gemeinde mit dem kleinen gallischen Dorf vergleicht, in dem Majestix abtritt und Fabala die Nachfolge antreten möchte. Die Gemeinderäte Zill und Keymer als sich ständig raufender Schmid und Fischhändler, sowie der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Sakkal als Troubadix. Doch einen abschließenden Seitenhieb auf den Gegenkandidaten bei der Bürgermeisterwahl bringt er auch da noch unter: Der Vergleich mit dem gallischen Dorf hinke, denn für ihn reichelt’s halt nicht zum Asterix.

Sein letzter Aufruf in der Mönchskutte: Redefreiheit gewähren, die Bürger aufklären und Überzeugungsarbeit leisten. „G’sagt is leicht, erklärt is schon schwer, aber recht g’macht noch mehr!“

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok