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D’Weißwurscht Prinzessin

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 20. Januar 2020

A beinah tragische Komödie im Kleinen Theater Haar

Beinahe tragisch – der Untertitel versprach schon, was den Zuschauer beim neuesten Stück der Münchner Volkssängerbühne e.V. erwartete: Erheiterndes garniert mit Satirischem in wohlfeilem, edlem bayerischen Dialekt. Die Premiere am Samstag, 18. Januar 2020, im Kleinen Theater Haar erfreute entsprechend das ausverkaufte Haus.

In seiner neuesten Produktion griff Regisseur Roland Beier zusammen mit Hanna Timm auf ein Thema der commedia dell'arte zurück: Carlo Gozzis Turandot, Prinzessin von China. Diese machte es zur Bedingung, dass die Prinzen, die um ihre Hand warben, drei Rätsel zu lösen hatten. Scheiterten sie, wurden sie geköpft. Schon in der Originalfassung liegt das Motiv der Prinzessin darin, frei zu leben, sich als Frau von Männern nicht unterdrücken lassen zu wollen. Auch die gleichnamige Oper von Puccini nimmt das Motiv der sich gegen die Ehe stellenden Frau auf.

Die Münchner Volkssängerbühne e.V. widmet sich der Geschichte auf eine durchaus humorvolle, bayerische Art und Weise. So geht es Graf Otto von Wittelsbach anfangs nur darum, durch die Hochzeit mit Prinzessin Sophia, der Tochter von Kaiser Barbarossa, Bayern wieder dem Hause Wittelsbach zuzuführen. Doch als er das Antlitz der Prinzessin sieht, ist es um ihn geschehen. Ihr makelloses weiß geschminktes Gesicht gibt dem Stück auch seinen Namen: Es ist so weiß wie eine Weißwurst! Der Graf, als Mönch verkleidet, will nun die Prinzessin erst recht erobern. Ein ordentlicher Schluck Bier hilft da immer wieder mal bei der Konzentration und beim Denken. Der Graf ist entsprechend gewitzt, kann Prinzessin Sophia Paroli bieten und stellt sich als ebenbürtiger Partner dar. So löst er nicht nur alle drei Rätselfragen, sondern gewinnt obendrein das Herz der Prinzessin. Doch vor dem Happy End liegt noch eine sehr ereignisreiche Nacht.

Die Münchner Volkssängerbühne beeindruckt nicht nur durch die Schauspielkunst und Schauspielfreude aller Darsteller, von denen in der Hauptrolle Simone Krist als Prinzessin Sophia und Sebastian Beier als Graf Otto hervorzuheben wären. Vor allem Bärbel Beier als intrigante Äbtissin oder Walter Gelmini als leicht seniler Bischof Ulrich II. von Rechberg gefielen sehr gut sowie die listige Hofdame Adelheid, gespielt von Hanna Timm. Die gesanglichen, moritatenartigen Einlagen des Chors unter Leitung von Ioannis Chirssostomidis wissen das Publikum ebenso zu erheitern und Modernität einzuflechten. Denn es kommen in den Liedern wie in den Dialogen von Regisseur Roland Beier durchaus aktuelle Bezüge neben der Gleichberechtigung als Sidekicks zur Sprache. So gleich anfangs angesichts der vielen geköpften Werber um die Prinzessin die Haltung „Wir schaffen das" mit der allgemein bekannten Handraute. Es gibt zudem Anspielungen auf die Bildungspolitik und nicht zuletzt durchgehend auf die Kirche.

Nicht zu vergessen die Bühnenbilder und vor allem die farbenfrohen, kunstvoll verarbeiteten Kostüme, die einen ins Staunen bringen und den Figuren einen märchenhaften Anstrich geben. Ganz im Sinne von Carlo Gozzi. Ein sehr unterhaltsamer, lustiger, pointenreicher Abend!

Weitere Aufführungen finden statt am:
Freitag: 24. und 31. Januar 2020, 7. und 14. Februar 2020
Samstag: 25. Januar 2020, 1. und 8. Februar 2020
Sonntag: Matinee am 2. Februar 2020

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

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Weißwurst, Bier und Moritat – commedia dell'arte auf Bayerisch von der Münchner Volkssängerbühne e.V. eindrucksvoll umgesetzt. Der Chor unter Leitung von Ioannis Chrissostomidis leitet in die Geschichte ein und übernimmt zwischen den Szenen eine kommentierende Funktion.

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Die Weißwurschtprinzessin, so lautet der Titel der aktuellen Produktion der Münchner Volkssängerbühne e.V. Er spielt darauf an, dass die Prinzessin sich so weiß schminkt wie eine Weißwurst. In der Hauptrolle Simone Krist, links neben ihr Walter Gelmini als Bischof Ulrich II. von Rechberg, dahinter Helmut Achmüller als Kaiser Barbarossa, Max Endres als Knappe und Nadine Esterl als Sophias Zofe Hedwig.

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Weiß er des Rätselslösung? Sebastian Beier als Graf Otto von Wittelsbach, Roland Feußner als Wache Ruppert, Bärbel Beier als Äbtissin, Walter Gelmini als Bischof Ulrich II. von Rechberg, Helmut Achmüller als Kaiser Barbarossa, Simone Krist als Prinzessin Sophia, Max Endres als Knappe, Hanna Timm als Hofdame Adelheid und Nadine Esterl als Zofe Hedwig (v.l.n.r.).

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Schauspieler und Chor der Münchner Volkssängerbühne e.V. im Schlussbild ihres Stücks „D'Weißwurschtprinzessin" vereint, das am Samstag, 18. Januar 2020, im Kleinen Theater Haar Premiere feierte.

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