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Politisch korrekt? Auf gar keinen Fall!

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 10. November 2019

Simone Solga gastierte mit Ihrem Programm „Das gibt Ärger" im Kleinen Theater Haar

Matthias Riedel-Rüppel, dem Theaterleiter des Kleinen Theater Haars, war etwas gelungen, was dem Lustspielhaus in München bisher entgangen ist: Simone Solga, das ehemalige Mitglied der Münchener Lach- und Schießgesellschaft, trat am Samstag, 26. Oktober 2019, vor einem nahezu ausverkauften Haus auf.

Simone Solga suchte nun also auch in Haar Asyl, denn dem Job als Kanzlersouffleuse, als rechte Hand Merkels, wollte sie entfliehen. Mit ihrem Asylantrag in Bayern, in Haar, hatte sie mit der Anspielung auf die Obergrenze die Lacher auf ihrer Seite. Je mehr bayerische CSU-Politiker sie jedoch kritisch ansprach, desto ruhiger wurde es im Theatersaal: Bei Andreas Scheuer, der gerade wegen der Mautuntersuchung wieder in den Schlagzeilen stand, wurde noch gelacht, bei Dobrindt wurde es stiller und ganz still bei Söder und Seehofer. Das hielt sie allerdings nicht davon ab, ihre Zuhörer weiterhin herauszufordern, aus der Komfortzone zu reißen und zu brüskieren – und das willentlich, schonungslos. So verhehlte sie auch ihre Enttäuschung nicht, dass das Publikum in Haar, trotz direkter Aufforderung vor der Pause, seine Meinung schriftlich auf einem Notizzettel kundzutun, überhaupt nicht reagierte.

Die quirlige Kabarettistin, die in Leipzig geworden wurde, flocht zu Anfang geschickt aktuelle Themen ein wie die Landtagswahlen in Thüringen, die Wahlen zur SPD-Parteispitze, aber auch die Schlagzeile des Tages über eine Studie zur Gewalt an den Schulen. Sie redete wie ein Maschinengewehr, die Worte und Sätze purzelten aus ihr heraus ohne Punkt und Komma – trotzdem ausgefeilt bis ins kleinste Detail – rhetorisch raffiniert. So sagte sie beispielsweise: „Wir brauchen nicht mehr Polizei, sondern weniger Ereignisse, für die wir die Polizei brauchen!"

Mit ihren Ich-Botschaften kann sie es sich erlauben, das Bemühen um Political Correctness zu persiflieren. Beim Thema Umweltpolitik rechnete sie beispielsweise vor, dass Fliegen doch besser ist als jeglicher Verzicht darauf. Oder in der Debatte um Dieselfahrzeuge stöhnte sie klagend auf: „Jetzt bin ich eine Umweltzerstörerin, die Menschen tötet, nicht wie früher beim rückwärts Einparken!" Das Publikum lachte befreit.

Politisch korrekt ist das keinesfalls! Sie nahm kein Blatt vor den Mund, provozierte direkt, treffsicher. Themen wie Ernährung – sie hält eine fast orgiastische Liebeserklärung an das Leberwurstbrot – das Gendern, aber auch die Entwicklungs- und Flüchtlingspolitik bekamen ihr Fett ab. Beispielsweise in der Diskussion, ob Asylanten in Wirtschafts- und Kriegsflüchtlinge zu differenzieren seien und entsprechend unterschiedlich zu behandeln wären, greift sie einfach auf die Bezeichnung „herkunftsvariable Neubürger" zurück.

Sie liebt, wie sie bekannte, die Live-Bühnenauftritte, um ihre Texte ungeglättet und unzensiert dem Publikum zuzumuten. Nachdem die Kanzlersouffleuse ihre Dienste zum Jahresende endgültig quittieren wird, wird das nächste Programm von Simone Solga Anfang 2020 auf die Bühne kommen: „Ihr mich auch", so heißt es und allein der Titel verspricht weitere gesellschaftliche Speerspitzen.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

simone solga bild

Simone Solga, eine der wenigen scharfzüngigen Kabarettistinnen Deutschlands zu Gast im Kleinen Theater Haar – Theaterleiter Matthias Riedel-Rüppel vermag es, Kabarettgrößen nach Haar zu holen.

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