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Schmökern: die fast schönste Nebensache

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 20. September 2019

English Book Sale immer beliebter
Die einen machen es im Bett, andere auf dem Sofa im Wohnzimmer oder unter freiem Himmel auf einer Liege am Strand, wieder andere bevorzugen eine aufrecht sitzende Position an einem Tisch in einem kleinen Bistro, um ein Buch zu lesen. Eines aus Papier! Je nach Beschaffenheit knistern die Seiten beim Umblättern unterschiedlich. Manche Leser knicken Eselsohren, manche benutzen Lesezeichen, um sich zu merken, an welcher Stelle sie unterbrochen haben. Auch im Digitalzeitalter gibt es für Leseratten nicht Schöneres, als in die Welt des geschriebenen Wortes in Buchform abzutauchen. Gerade in einem fremden Land ist der Hunger nach Literatur in eigener Sprache besonders groß, weiß Kerstin Braun.

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Seit vielen Jahren lebt die US-Amerikanerin in Haar und erinnert sich: „Ich war begeistert, als vier Frauen 2002 mit einem Second Hand English Book Sale anfingen. Aber wenige Jahre später haben sie aufgehört und ich dachte: „Hilfe, wo sind meine Bücher?"


Selbst ist die Frau
Kerstin Braun nimmt Kontakt zu einer der Frauen auf, die ihr erklärt, dass sie Hilfe benötigen. „Ich sagte sofort zu, dass ich mitmache. Wir haben dann einen neuen Schirmherren, die katholische Kirche, gefunden, die uns seither unterstützt. Im Gegenzug geht der Erlös an unsere Partnergemeinde in Tansania", erzählt sie mitreißend. Seit 2008 steigt kontinuierlich die Anzahl der angebotenen und verkauften Bücher und somit der Gewinn, der nach Ilembula in verschiedene Projekte fließt. „Das liegt daran, dass der Bekanntheitsgrad zum Beispiel über Social Media steigt. Anfangs hatten wir nur E-Mail-Listen und Flyer", meint Braun.
Inzwischen kann die Mannschaft aus rund 25 englisch- und deutschsprachigen ehrenamtlichen Helfern (bis auf einen Mann alles Frauen) pro Verkauf rund 10.000 Bücher aller Genres oder Sachbereiche anbieten: „Von science fiction über gardening, travel, food and drinks, true stories, short stories, women books, childcare oder architecture – wir haben alles queerbeet", kennt Braun das Angebot. Dazu kommen DVDs und Hörbücher, die sich einer immer größeren Beliebtheit erfreuen. „Irgendwann haben wir angefangen, alles in Kategorien und Unterkategorien einzuteilen. Beispielsweise haben wir unsere Kinderbücher unterteilt in null bis fünf, sechs bis zehn und elf bis 14 Jahre. Das erleichtert die gezielte Suche der Kundschaft, die sogar von Rosenheim bis hierher fahren", klärt Gerlinde Rückert auf. Ein Aufwand, der sich für alle lohnt. „Jedes Jahr, das wir genauer sortiert haben, läuft es noch besser."


Farbe als universale Sprache
Der Verkauf über die improvisierte Ladentheke läuft nach einem Farb- oder „Color Code". Leicht verständlich für alle. Je nach Farbe kosten die Bücher ab 50 Cent bis zu fünf Euro: „Wir freuen uns auch über mehr Geld, da wir ja alles spenden", betonen Rückert und Braun übereinstimmend. Nur manchmal gibt es Verwirrung an der Kasse: „Weil wir zwei Bücher mit demselben Titel zu unterschiedlichen Preisen anbieten", schildern die beiden tatkräftigen Frauen amüsiert. „Dann müssen wir erklären, dass hier mehr als zwei Dutzend Leute ehrenamtlich arbeiten und deren Einschätzungen manchmal variieren und keiner genau weiß, welche Bücher doppelt oder mehrfach da sind und sie zudem in unterschiedlichen Kisten lagern können."


Bücherspenden: Was der eine nicht mehr braucht, ist für andere ein Schatz
Gerlinde Rückert ist verantwortlich für das Orga-Team. Sie sorgt für „Bücherschlepper" und entsprechenden Fahrzeuge, übernimmt die Pressearbeit, organisiert den Aufbau vor Ort. Die begeisterte Helferin ist in einem Alter, in dem andere sich eher zurücklehnen. Etwas, was für sie nicht infrage kommt: „Ich komme gerade aus Tansania", beschreibt sie lebhaft ihre Eindrücke und zählt dringend benötigte Bücher der medizinischen Ausbildungsstätten auf: „Sie haben dort wenige Computer, oft fällt der Strom aus, daher können sie dort mit Medizinbüchern, „dictionaries" und Enzyklopädien viel anfangen, vor allem jüngeren Datums." Entsprechend freuen sich Gerlinde Rückert und Kerstin Braun ganz besonders auf englischsprachige Buchspenden aus dem Krankenschwester- und Hebammenbereich: „Die verkaufen wir nicht, sondern schicken sie nach Ilembula weiter." Gemeinsam rufen sie auf: „Wer seine Regale leeren möchte, kann ab 21. September Bücherspenden ins Ernst-Mach-Gymnasium bringen. Einfach in die Aula gehen, da sieht jeder unsere Sammelstation. Falls geschlossen ist, haben wir eine Streugutkiste vor der Haupteingangstür rechts aufgestellt, wie gesagt: jeder Bereich ist interessant", verweist Kerstin Braun und lädt alle „Bücherwürmer" ein: „The English Book Sale will give you an excellent opportunity to buy good quality English books and DVDs inexpensively on Friday 11th October 3pm to 7pm and Saturday 12th October from 11 am to 3pm in Ernst-Mach-Gymnasium".


Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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