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Einzigartige Kunst

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 18. März 2019

Der Kulturladen einzigART in der Ladehofstraße

Haben Sie schon an Ostern gedacht? Fehlt Ihnen eine Kleinigkeit als Mitbringsel für eine Einladung? Warum nicht mal in die Ladehofstraße 10 gehen? Mit einem Kauf machen Sie noch andere Menschen glücklich!

Für jeden Geldbeutel, für jeden Geschmack gibt es hier etwas. Der Laden einzigART ist ein buntes Sammelsurium von Kleinigkeiten bis hin zu richtig großen Gemälden, die auch schon das Interesse von Kunstsammlern wachgerufen haben. Viele Artikel gibt es bereits für einen Euro, der höchste Verkaufspreis – für ein Bild – lag bei 500 Euro. Die Vielfalt ist enorm: von Kunstkarten, Schlüsselanhängern, Entchen und Osterhasen aus Filz über gehäkelte und gestrickte Mützen, Schals, Handschuhe und Stulpen bis hin zu großflächig bemalten Leinwänden – alles selbst gemacht, garantiert. Denn gleich nebenan befindet sich die Tageswerkstätte des SozialpsychiatrischemZentrums des kbo. Einige Besucher kommen schon sehr lange und vor allem gern. Es sind Menschen, die sich über ihre kreative Tätigkeit zurück ins Leben finden.

Nach dem Umzug vor vier Jahren aus dem Klinikgelände raus in die Ladehofstraße kam relativ schnell der Gedanke auf, selbst einen Verkaufsraum einzurichten: EinzigART – der Kulturladen von SeelenART war geboren. „Wir sind hier in ehemalige Läden eingezogen und so kam die Idee auf, dass man so etwas auch machen könnte. Zumal unsere Besucher immer gern etwas verkaufen und stolz sind, wenn sie etwas verkaufen", so Ulrike Ostermayer, Kunsttherapeutin und Ansprechpartnerin von SeelenART und der Tageswerkstätte. Sie werden motiviert, einen Prozess abzuwickeln und gleichzeitig im Team etwas zu erreichen. „Es ist ein komplexer ganzer Prozess, Kunst zu schaffen, anzubieten und zu verkaufen. Was kostet es, wie finde ich einen Platz im Verkaufsraum und dann auch noch vielleicht selbst verkaufen?", so erklärt Kunsttherapeutin Ostermayer das Konzept dahinter. Es ist eine Hilfe zur Selbsthilfe, wie Jacqueline Schwarz, Sozialpädagogin der Einrichtung, ergänzt: „Der Laden ist eine gute Methode, das weiterzugeben."

Aber von allein läuft nichts. Die Besucher der Tageswerkstätte kümmern sich um den Verkauf, um die Dekoration und ebenso um die Werbung. Sozialpädagogen und Kunsttherapeuten begleiten sie auf diesem Weg in die Öffentlichkeit. Die Kunstschaffenden selbst konnten es fast nicht erwarten, bis der Kulturladen vor zwei Jahren im April eröffnet wurde. Ulrike Ostermayer erinnert sich: „Sie fragten, wann es endlich so weit wäre und wurden schon ein bisschen ungeduldig, ob es denn überhaupt etwas werden würde."

Die Sozialpädagogen Jacqueline Schwarz und Carina Betz sowie die Kunsttherapeuten Sabine Schlunk, Wolfgang Buchstab und Ulrike Ostermayer lassen den Besuchern der Tageswerkstätte im Laden sehr viel freie Hand. In seiner Kreativität kann jeder machen, was er möchte. Im Verkaufsraum sammeln sie anschließend Erfahrungen in der Preisgestaltung, auf Interessenten zuzugehen, Verkaufsgespräche zu führen und auch damit umzugehen, mit ihrem Produkt keinen Erfolg zu erzielen. „Manche haben zu hohe Erwartungen und denen muss man dann erläutern, was es bedeutet, Kunst zu verkaufen," so Sozialpädagogin Schwarz und führt weiter aus: „Wir achten darauf, dass die Besucher in die Selbstverantwortung gehen und beispielsweise Aktionen starten oder Werbung machen."

Gleichzeitig sei es ein Projekt zur Teambildung. Um den Kulturladen zu betreiben, müssen sich alle Mitwirkenden untereinander absprechen, miteinander umgehen und zusammenarbeiten. Ulrike Ostermayer unterstreicht die Bedeutung dieser Gruppenaktionen. Die positive Wirksamkeit von einzigART auf die Besucher der Tageswerkstätte ist enorm.

Matthias Riedel, Bereichsleitung Kultur des kbo-Sozialpsychiatrischen Zentrums, bekräftigt: „Es ist keine Freizeitgestaltung, sondern wir reden hier wirklich von sehr kranken, oft chronisch kranken Menschen mit ganz vielen Erlebnissen und Traumata!" Er leitet auch das KleineTheater Haar, ebenfalls eine Einrichtung von SeelenART, das eine gleichnamige Abo-Reihe anbietet. Über das Theater wiederum haben viele den Weg in den Kulturladen einzigART in der Ladehofstraße 10 gefunden. Denn die meisten Käufer kommen nicht von selbst. Das Theater leistet mit der Abo-Reihe SeelenART einen Beitrag dazu, dass die Künstler ihre Werke ausstellen können und damit den Verkaufsladen bekannter machen. Man kann jedoch auch – was vielen nicht bekannt ist – Aufträge vergeben, zum Beispiel ein Porträt nach einem Foto anfragen. Ulrike Ostermayer: „Wir nehmen gern Auftragsarbeiten an. Es wird mit den Besuchern besprochen, ob sie das machen wollen oder nicht und wir begleiten sie dann wieder in allen Prozessphasen." Und Jacqueline Schwarz ergänzt: „Das freut die Besucher, wenn sie sozusagen ausgesucht werden."

Der Kulturladen ist gut in die Gemeinschaft des Hausblocks in der Ladehofstraße 10 aufgenommen worden, es gibt in der unmittelbaren Nachbarschaft keine Berührungsängste. einzigART ist in das Gemeindeleben integriert, nahm letztes Jahr an der Künstlermeile teil und stellt regelmäßig im Rathaus-Foyer aus. Doch es könnte noch weitaus mehr sein, wenn es nach Ulrike Ostermayer, Jacqueline Schwarz und Matthias Riedel geht. „Wir müssen Öffentlichkeit herstellen. Sich hinzusetzen und zu sagen, wir müssen Aufklärungsarbeit leisten, ist nicht zielführend. Um gesellschaftliche Akzeptanz herzustellen, machen wir Öffentlichkeitsarbeit ja auch an anderen Stellen. Das ist, glaube ich, der richtige Weg," meint Bereichsleiter Riedel. Er verweist damit auf die weiteren Einrichtungen von SeelenART, wie beispielsweise den offenen Künstlertreff oder den Bildverleih und die SeelenART-Galerie im Lehel. Dort stellt derzeit der Preisträger des oberbayerischen Kunstförderpreises SeelenART aus: Johannes Janz mit „Traummandat". Die Ausstellung ist noch bis Ende Mai in der Robert-Koch-Straße 7 zu besuchen.

Kunst ist eine Form sich auszudrücken, das sagen auch die Betreiber des Kulturladens einzigART. Malen ist ein sinnliches Erleben. Es ist ein guter Zugang zum eigenen Ich, zur Seele. SeelenART eben.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

einzigART bild 1

Bunte Vielfalt, kreatives Handwerk und einzigartige Kunst – das finden Sie im einzigART, der Kulturladen von SeelenART in der Ladehofstraße 10 in Haar. Matthias Riedel (Bereichsleiter Kultur des kbo-Sozialpsychiatrischen Zentrums) und Kunsttherapeutin Ulrike Ostermayer freuen sich mit den Besuchern der Tageswerkstätte über jeden Interessenten.

einzigART bild 4

Einzigartig ist der Kulturladen „einzig-ART“ von SeelenART. Hinter dem Projekt stehen (v.l.n.r.): Matthias Riedel, Bereichsleiter Kultur des kbo-Sozialpsychiatrischen Zentrums, Jacqueline Schwarz, Sozialpädagogin in der Tageswerkstätte von SeelenART, und Ansprechpartnerin des Ladens wie der weiteren künstlerischen Einrichtungen, Kunsttherapeutin Ulrike Ostermayer. Nicht auf dem Bild sind Sozialpädagogin Carina Betz und die Kunsttherapeuten Sabine Schlunk und Wolfgang Buchstab.

 

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