lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Katja Ebstein sieht Weihnachten mit anderen Augen

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 25. Dezember 2018

Katja Ebstein sieht Weihnachten mit anderen Augen

Mit ihrem Weihnachtsprogramm „Es fällt ein Stern herunter" kam Katja Ebstein am 22. Dezember 2018 ins Kleine Theater nach Haar.

Sie wirft an dem Abend einen nostalgischen Blick zurück. Das bedeutet, dass sie ihre Fans und Zuhörer an dem Abend auf eine Reise in die Zeit einlädt, in der es noch einen Kaminofen statt Zentralheizung gab und echte Kerzen an einer großen, möglichst selbst geschlagenen Nordmann-Tanne leuchten aber auch vor der Bescherung noch weihnachtliche Lieder gesungen werden. Auf eine Zeit in der keine Hektik herrschte, sondern Besinnlichkeit und sie gab ihrem Publikum mit auf den Weg, dass sie sich darauf besinnen sollen, gütiger zu werden.
An dem Abend hatte sie auch keinen Platz für ihre größten Erfolge und Evergreens wie „Wunder gibt es immer wieder", „Der Stern von Mykonos" und „Theater". Dafür präsentierte sie vielmehr die exzellenten Texte der großen Satiriker des 20. Jahrhunderts wie James Krüss, Heinrich Heine, Erich Kästner, Hans Dieter Hüsch und Loriot.

Weihnachten Ebstein 1 online 18

Theaterleiter Matthias Riedel stellte in seiner Begrüßungsrede fest, dass es derzeit alles andere als stad´ sei und freute sich umso mehr auf das weihnachtliche Konzert von Katja Ebstein, die er schon in seiner Kindheit immer im Radio oder in der Hitparade gehört hat. Umso größer war die Freude für Riedel, dass er nun endlich die Gelegenheit hatte, die Künstlerin persönlich zu erleben.

Sie ließ es sich auch nicht nehmen, zwei kleine Legenden des österreichisch-bayerischen Karl Heinrich Waggerl vorzutragen. Zwischen den Texten präsentierte sich Ebstein immer wieder als Sängerin und forderte, z. B. beim kleinen Trommler, das Publikum auf, sie zu unterstützen und mitzusingen. Eine eigene Version hatte sie auch für das Lied „Morgen Kinder wird's was geben", in der sie den Bogen zwischen Arm und Reich spannte und die Botschaft natürlich bestens übermittelte.
Die Mischung aus Gesang und Lesung war unterhaltsam, zum Nachdenken und berührend. Es wurde auch fleißig applaudiert und immer wieder zückten die Konzertbesucher das Handy um zu fotografieren oder filmen, was so manch einen im Theatersaal störte, wie man nach dem Konzert von aufgewühlten Besuchern hören konnte.
Katja Ebstein freute sich auch über die positive Reaktion des Publikums, als sie fragte ob ihre Fans noch ein Buch lesen würden oder auch schon der neuen Technik, dem Tablet, verfallen seien. „Ein Buch kann nicht abstürzen", so erzählte Ebstein und „wer klug ist hält sich an die guten alten Bücher, die noch in 100 Jahren im Regal stehen, denn ein Buch wird nie veralten." Was die Bücher betrifft, so hat es Katja Ebstein auf den Punkt getroffen, denn in Zeiten von Tablet und Co. ist das gute alte Buch in Vergessenheit geraten.
Eines der Lieblingsweihnachtslieder von Katja Ebstein durfte natürlich an dem Abend auch nicht fehlen und so ging es nach Berthold Brecht weiter mit „Als Maria durch den Dornwald ging".

Weihnachten Ebstein 2 online 18

In den kurzen weihnachtlichen Geschichten erzählte sie von Jesus, dem Stern von Bethlehem, Frieden und von ganz viel Liebe!

Besinnlich wurde es auch bei dem jiddischen Wiegenlied „Vaise stern". Hier sprach Ebstein auch gleich die aktuelle politische Lage an und erzählte von Friedensbewegungen der Israelis gegenüber Donald Trump. „Hinter jeder Wolke des Trübsals glänzt ein Stern in weiß", stellte Katja Ebstein fest. Sie erwähnte aber auch, dass es nur eines gibt, was wichtiger als Geld ist. Nämlich Zeit zu haben, denn viele Menschen haben keine Zeit mehr. Weihnachten ist nicht nur zum Essen und Schenken da, sondern auch dafür, Zeit mit den Liebsten zu verbringen und füreinander da zu sein.
Es war ein gelungener Abend abseits von all den Klassikern und Evergreens von Katja Ebstein. Dafür war es ein stimmungsvoller und unterhaltsamer Abend, der mit Liedern und Geschichten für einfühlsame, aber auch humorvolle Stunden in der Vorweihnachtszeit sorgte.
Die legendären „Zimtsterne" von „Loriot" durften an dem Abend genauso wenig fehlen wie die deutsche Version von „Morning has broken".
So unterhaltsam die Lieder und Geschichten auch sind, so ernst sind einige von ihnen, denn es ging u. a. bei den jiddischen Beiträgen darum, ihre Zuhörer zwar zum Schmunzeln, aber auch zum Nachdenken anzuregen. Sie erinnerte an die Opfer der NS-Zeit und zum Abschluss des Abends setzt sie mit einem neuen Text zu „Stille Nacht, Heilige Nacht" einen eindringlichen, aufwühlenden Höhepunkt. Katja Ebstein findet dieses Lied in der aktuellen Situation sehr unpassend und dachte immer schon an einen neuen Text. Als sie diesen dann in einem Musical entdeckte, war sie froh darüber, diesen singen zu können. Solch beeinflusste Zeilen, u. a. von Krieg und Tod, sollten viel häufiger zu Gehör gebracht werden als immer nur alles schön zu singen. Allein für diese Darbietung bekam Katja Ebstein tosenden Applaus von ihren Fans, die zwei Tage vor Weihnachten den Weg ins Kleine Theater nach Haar gefunden haben.

Weihnachten Ebstein 4 online 18

Zum Abschluss gab es vom Theaterleiter Matthias Riedel noch Blumen und die Sängerin verabschiedete sich mit rührenden, einfühlsamen Worten über die politische Situation.

Weihnachten Ebstein 3 online 18

Unter den Gästen des vorweihnachtlichen Konzertes von Katja Ebstein war auch die Chansonsängerin Sarah Laux.

Weihnachten Ebstein 5 online 18

Für Sie berichtete Petra Schönberger.

 

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok