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Grimme-Preisträger Thomas Darchinger stellt vor Schülern das Schicksal des jüdischen Überlebenden Solly Ganor vor

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 04. April 2017

Grimme-Preisträger Thomas Darchinger stellt vor Schülern das Schicksal des jüdischen Überlebenden Solly Ganor vor

Als die deutschen Truppen im Sommer 1941 in Solly´s Heimatstadt Kaunas/Litauen einfallen, ist dieser gerade mal 13 Jahre alt.

Die Kindheit des jüdischen Jungen war von einem Tag auf den anderen zu Ende, denn er wurde zusammen mit seiner Familie ins Ghetto getrieben, wo er mit ansehen musste, wie Freunde und Verwandte bei zahlreichen sogenannten Aktionen der neuen Machthaber zur Vernichtung selektiert oder auf der Stelle ermordet wurden. Er lernt zu Überleben und ist doch schon hundertmal gestorben, ehe er im Sommer 1944 nach der Auflösung des Ghettos zunächst ins Lager Stutthof (bei Danzig) deportiert wurde. Von dort aus dann in ein Außenlager des KZ Dachau. Im Lager X (Utting am Ammersee), inmitten einer bayerischen Bilderbuchlandschaft, erfuhr Solly am eigenen Leibe, was Nationalsozialisten unter „Vernichtung durch Arbeit" verstehen. Anrückende Alliierte trieben ihn dann, zusammen mit den noch wenigen lebenden Häftlingen auf einem der berüchtigten Todesmärsche in Richtung Alpen, wo sie unterwegs von amerikanischen Soldaten befreit wurden. Die Geschichte handelt von einem gejagten Jungen, der fünfzig Jahre lang im Überlebenden Solly Ganor geschwiegen hat und sich nun mit aller Kraft zu Wort meldet: die Stimme aus einem anderen Leben...

Thomas Darchinger ist zusammen mit dem Jazzmusiker Wolfgang Lackerschmid bundesweit an Gymnasien, Real- und Gesamtschulen unterwegs, um den Schülern einen Einblick in das Schicksal jüdischer Überlebender zu geben. Am 31. März kamen die beiden im Rahmen des Projekts „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" ins Ernst-Mach-Gymnasium nach Haar.

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„Das Andere Leben" ist eine Kampagne für mehr Demokratie und für die Schule ein wichtiger Beitrag zur Demokratie-Schulung der Jugendlichen.
Thomas Darchinger ist ein geschätzter deutscher Synchronsprecher und Erzähler im deutschsprachigen Film einer der Lieblingsbösewichte.
Für die Jugendlichen waren es ohne Zweifel garantiert die zwei spannendsten Schulstunden ihrer Laufbahn. Lehrer und Schüler mussten mit den Tränen kämpfen, so berührend und einfühlsam hielt Darchinger die Lesung. Die Botschaft, die Darchinger nach der Lesung an die Schüler richtete, hinterlässt garantiert einen bleibenden Eindruck. Während der 90-minütigen Lesung war es im Mehrzweckraum der Schule unglaublich still. Nicht nur die Geschichte des jungen Solly zog die Schüler in den Bann, sondern auch die Erzählweise von Thomas Darchinger und die musikalische Umsetzung von dem Jazzmusiker Wolfgang Lackerschmid am Vibraphon. Die Klänge sind minimalistisch, durchdringend und doch voller Emotionen und reflektieren das Erlebte von Solly Ganor.

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Der Schauspieler präsentierte zu der Lesung beeindruckende Bilder und Videos, die den Schülern helfen sollten, einen besseren Eindruck zu bekommen. Tränen in den Augen hatten aber nicht nur die Schüler und Lehrer. Auch Darchinger musste mir den Tränen kämpfen. Seine Stimme hält inne, wird plötzlich rasend und steigert sich zu einem durchdringenden Crescendo, dass den Schülern den Atem stocken lässt. Er wechselt auch schockartig in den schnarrenden Befehlston eines KZ-Aufsehers und wieder zurück in die weiche, berichtende Stimmlage des KZ-Häftlings Ganor.
Die Neuntklässler nehmen derzeit im Geschichtsunterricht das Thema durch und in Kürze steht bei den Jugendlichen auch ein Besuch im KZ in Dachau auf dem Lehrplan. Deshalb ist es für Darchinger auch wichtig, den Schülern das Thema heute greifbar zu vermitteln. Dazu ist das Buch von Solly bestens geeignet.
Thomas Darchinger ist ein erstklassiger Schauspieler, der mit der Lesung bewies, dass er nicht nur humorvolle Rollen spielen kann, sondern auch für ernste, dramatische Geschichten der richtige Ansprechpartner ist.
Als Fazit bleibt noch anzumerken, dass es eine ganz besondere Lesung zu einem ernsten Thema ist, die mit spannender, dramatischer und einfühlsamer Musik untermalt ist.
Die Lesung verleiht den Opfern des Holocaust eine Stimme!

„Wichtig ist, dass den Schülern das Thema auf eine anschauliche und emotionale Weise präsentiert wird", so Jürgen Wiesmeier (Lehrer des Ernst-Mach-Gymnasiums).

Für Sie berichtete Petra Schönberger.

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