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Ein Meister des Halbsatzes

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 01. März 2017

Rolf Miller begeisterte die Haarer mit seinem aktuellen Programm

Das Publikum im Bürgerhaus hatte am Donnerstagabend, 23. Februar 2017, viel zu lachen. Der Kabarettist Rolf Miller unterhielt die Zuschauer in Haar bestens unter dem Motto »Alles andere ist primär«. Und das allein mit seinen Sätzen.

Rolf Miller trat auf die Bühne, setzte sich auf den dort mittig platzierten Stuhl, nahm das Mikrofon in die Hand und fing an zu reden. Ohne Unterlass. Von Zeit zu Zeit nippte er an der Wasserflasche, die neben ihm stand, ansonsten brauchte er keine anderen Requisiten. Nur er. Seine abgehackte Sprache, sein Gesicht, sein abruptes und kurzes Lachen und sowie seine lässige Sitzhaltung waren die Mittel, die er einsetzte. Immer den Zuhörern zugewandt. Er redete und redete, ohne Unterbrechung – allerdings mit einer Pause – fast zwei Stunden lang.

Und wie er redete, darin bestand auch an diesem Abend seine Kunst. Die unvollendeten Satzkonstruktionen, die einen Satz erst mit Verzögerung beenden und damit den Inhalt ins Gegenteil, ins Witzige oder gar Absurde drehen. Die künstlichen Pausen verführen das Publikum gedanklich in eine Richtung, die letztendlich widerrufen wird oder ins Leere läuft. Und diese Diskrepanz schafft die Pointe, ist Grundlage seines Humors. Sätze wie »Alles andere ist primär.«, Halbsätze wie »Wenn der Schuss nach vorne losgeht« oder gar nur vertauschte Silben wie »Spenden an die Gemeinheit« spiegeln die sprachlichen Verdrehung und die damit hervorgerufenen logischen Widersprüche wider, die ein genaues Hin- und Zuhören verlangen.

Seine Kunstfigur, die er auch in Haar auf der Bühne erzählen ließ, ist namenlos, lässt die Zuschauer aber an seinem Leben, an seinen Gedanken teilnehmen. Diese Figur ist mit dem Publikum im Gespräch. Da sind Achim und Jürgen, seine Freunde, die er seit Schultagen kennt, und deren Schwester. Das nutzt er, um über Aktuelles und Vergangenes, über Allgemeines und Spezielles zu reden. Er sinnierte an diesem Abend über Politik, im Speziellen einleitend über Trump, ging von ihm über zu den Frauen im Allgemeinen, dann zur Schwester seiner Freunde im Speziellen. So setzte sich das fort: Schule, Beziehungsfragen, die 80er-Jahre, Berufswahl, Berufsleben. Es ging um die Alltäglichkeiten im Leben einfacher Menschen.

Das sprachliche Unvermögen der Bühnenfigur zeichnete sich im Ringen um Worte ab, das in der »Verdinglichung« seinen Ausdruck fand, das auch umgangssprachlich durchaus verbreitet ist. So sprach er zum Beispiel nicht vom türkischen Präsidenten Erdogan, sondern vom Erdo-Ding. Oder er machte Pausen, gefühlte lange Pausen: Man konnte zusehen, wie er seine Gedanken entwickelte, wie er ihnen nachging. Dieses fast beiläufige Geschwätz unterbrachen nur kurze, unmittelbare, erheiternde Lachsalven. Weder zahlreiche Gesten, noch spannende Dramatik, aber große Wirkung!

Rolf Miller bild2

Rolf Miller im Gespräch mit dem Publikum – sein fast zweistündiger Monolog begeisterte das Publikum am Donnerstagabend, 23. Februar 2017, im Bürgersaal.

In den zwei Zugaben blitzte ein Teil des Kabarettisten Rolf Miller hervor. So legte er der augenzwinkernd offen, wo seine Ressourcen liegen, die Quelle seiner Ideen: im Fußball. Ein Brüller! Zudem bedankte er sich bei den Zuschauern mit den Worten: »Sie sind schön.« Alles lachte, doch ein Fragezeichen blieb im Raum stehen. Er ließ eine Pause zu. Die Spannung stieg. Dann die Auflösung: »Schließlich muss ich Sie zwei Stunden lang aushalten.«

Das Publikum im Bürgersaal in Haar hielt Rolf Miller am Donnerstagabend auf der Bühne sehr gerne aus und dankte es ihm mit viel Lachen und noch mehr Applaus.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

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