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Andreas Rebers in Haar

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 19. Februar 2017

Aktuelles Programm "Amen" im Kleinen Theater Haar aufgeführt

Das Kleine Theater Haar freute sich auf einen streitbaren Kabarettisten am Sonntagabend, den 5. Februar 2017. Andreas Rebers gastierte vor fast ausverkauftem Haus. Das Publikum war begeistert, zwei Zugaben rangen Sie dem Künstler ab.

Er betrat die Bühne und wandte dem Publikum den Rücken zu. Das Gesicht nach unten gerichtet ging er rückwärts in die Mitte: Er suchte die Idee. Doch dann wandte sich Andreas Rebers um und legte los mit seinem Programm: "Amen".

"Amen" bildet den Abschluss einer Trilogie, in der der Kabarettist in der Figur eines Reverend sich an das Publikum richtet. Nach "Rebers muss man mögen" und "Predigt erledigt" feierte "Amen" Premiere bereits am 11. Mail 2016 in der Lach- und Schießgesellschaft in München und seit dem 13. Januar 2017 geht der Künstler mit diesem Programm auf Tournee. Der Tourstart war in Mainz und nun stand Andreas Rebers im ausverkauften Kleinen Theater Haar. Und das nach fast 20 Jahren, wie Matthias Riedel, der Programmleiter des Jugendstil-Kleinods in Haar, betonte.

Andreas Rebers, hielt nicht lange inne, kam gleich am Anfang auf die aktuellsten Ereignisse, wie zum Beispiel auf Trump, zu sprechen. Dann wandte er sich seinen Trilogie-Figuren zu: Da war Frau Hammer, eine geborene Sichel, die als alleinerziehende Linksintellektuelle im Arbeiterviertel von München, in Haidhausen, auf ihren Nachbarn, auf Andreas Rebers traf. Die Konflikte sind vorprogrammiert und werden vom Satiriker auch genüsslich ausgeweitet. Hier entlarvte er das Dogmatische, das ideologische – stellvertretend für alle Richtungen. "Ich brauch' nicht deine Ideale, ich bin mein eigener Planet, ich habe eigene Ideale, ich hab' ein eigenes Gebet" sang er am Keyboard nach der Melodie von Neil Youngs "Hey, hey, My, My" mit der abgewandelten Zeile "Rock'n'Roll will never die, hey, hey, how, how, here we are and here we go. Quelle heure est il au paradis, bonjour Charlie, bonjour Paris, bonjour Brussels" - und dann zählt er, immer leiser werdend die Städte auf, in denen der Terror zugeschlagen hatte.

Andreas Rebers bild

Er richtete sich nicht nur gegen religiöse Ideologien, sondern auch die politischen Partien bekamen ihr Fett ab: die Roten, die Schwarzen, die Grünen, die Rechten wie die Linken. Selbst die Medien ließ er nicht aus.

Rebers lässt sich keiner Richtung, keiner Religion und schon gar keiner Partei zuordnen. Allerdings ist ein unbeugsamer Verfechter der demokratischen Gesellschaft, der Vielfalt in der Gesellschaft. Das kam in all seinen Facetten zum Ausdruck. Nicht über die Gestik oder Mimik transportierte er seine Worte, den Schliff erhielten sie durch seine Intonation. Und seine stimmliche Fertigkeit, seine Variationsmöglichkeiten waren auch im Kleinen Theater Haar vielschichtig wie immer. Er sang und sprach, seine Stimme wurde zum dritten Instrument neben Akkordeon und Keyboard. Von leisen über nachdenklichen bis hin zu scharfen und lauten, bestimmenden und akzentuierten Tönen, in der Diktion eines Adolf Hitlers.

Dabei brachte er das Publikum unbändig zum Lachen. "Ich bin ein Arbeiter im Pointenberg des Herrn", sagte er einmal. So als läge noch viel Arbeit vor ihm, als Reverend oder in einer anderen Rolle – das wurde nicht deutlich. Zumindest versprach er, nicht mehr 20 Jahre bis zum nächsten Auftritt in Haar verstreichen zu lassen.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek

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