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Trauung mit Hindernissen

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 27. Dezember 2016

Tegernseer Volkstheater gastierte im Kleinen Theater Haar

Ganz etwas Besonderes waren die beiden Aufführungen am 15. und 16. Dezember 2016 im Kleinen Theater Haar nicht nur wegen des Gastspiels, sondern auch wegen der Begleitumstände. Der Bayerische Rundfunk zeichnete die Theateraufführung für das Fernsehen auf und das Tegernseer Volkstheater bildete damit im Kleinen Theater Haar den Anfang einer neuen TV-Reihe.

Doch erst einmal Theaterstück selbst. Das Bühnenbild zeigte die Amtsstube von Pfarrer Benedikt Hötzelsberger. Der Pfarrer ist noch relativ neu in der Gemeinde Albaching und wird von Mesnerin Anna Furtner nach und nach in die Amtsgeschäfte eingeführt und auch den verschiedenen Personen vorgestellt. Da ist Franzi, die Informatikerin, die sich um die Digitalisierung der Kirchenunterlagen zur Archivierung kümmert, die Zugehfrau Christl Schaber mit ihrem Sohn Franz, der gleichzeitig Lehrling beim Maler Hubert Auer ist, der im Namen des verstorbenen Vorgängers die Räume neu streichen soll. Franz und Franzi sind zusammen zur Schule gegangen, kennen sich also schon sehr lange und necken sich gegenseitig. Hinzukommen der Bürgermeister Jochen Schlickenrieder, der Bräutigam, den die Hindernisse der bevorstehenden Trauung treffen, und ein Flüchtling namens Isidor Fattal, der aufgrund der Überbelegung der Turnhalle der Gemeinde von Pfarrer Hötzelsberger aufgenommen wird.

Tegernseer Volkstheater bild 2

Das Ensemble von „Trauung mit Hindernissen“ (v.l.n.r.) vom Tegernseer Volkstheater: Nicola Pendelin als Informatikerin Franzi Wachs, Sabrina White als Mesnerin Anna Furtner, Barbara Kutzer als Zugehfrau Christl Schaber, Leo Reisinger (stehend) als Bürgermeister Jochen Schlickenrieder, Andreas Kern (stehend) als Pfarrer Benedikt Hötzelsberger, Hanno Sollacher als Malermeister Hubert Auer, Daniel Farid Wittmann als syrischer Flüchtling Isidor Fatal und Felix Holzapfel als Franz Schaber.

Konstellationen, die aufgrund ihrer Gegensätze, das Volksstück vorantreiben. Politische und kirchliche Gemeinde trafen mit ihren unterschiedlichen Interessen aufeinander, so unvereinbar, dass in der Folge neben den privaten auch noch kirchliche Hindernisse der Trauung im Weg standen. Andererseits bot das Gegensatzpaar bayerischer Dialekt und perfektes Hochdeutsch die Basis für eine humorvolle Auseinandersetzung mit dem Flüchtlingsthema. Wie der syrische Flüchtling den verbalen dialektischen Verunglimpfungen des Malermeisters Paroli bot, dem vermeintlichen Muttersprachler ein grammatisch einwandfreies Deutsch entgegenstellt, ist amüsant. Mit Humor und Witz wurden die Themen der Zeit in dieser Amtsstube widergespiegelt.

Tegernseer Volkstheater bild 1

Ein Bucheintrag, der die Wendung bringt im Volksstück „Trauung mit Hindernissen“ vom Tegernseer Volkstheater (v.l.n.r.): Gemeindepfarrer Benedikt Hötzelsberger (Andreas Kern), Mesnerin Anna Furtner (Sabrina White) und Bürgermeisterjochen Schlickenrieder (Leo Reisiger).

Andreas Kern, Leiter des Tegernseer Volkstheaters schrieb das Stück, führt Regie und spielt die Hauptrolle des Pfarrers Hötzelsberger. Er führte das Publikum in diesen hochinteressanten Abend ein, der aufgrund der Fernsehaufzeichnung ein ganz besonderer war. Es war schon etwas anderes, das im Theater live mitzuerleben. So zum Beispiel die Stimme, die sich aus dem Off meldete, wenn ein Mikrofon am Revers der Schauspieler verrutscht war und es deshalb rauschte. Nach der Technikkorrektur mussten die sie dann ein paar Sätze vor Abbruch wieder in die Szene einsteigen. Das wurde problemlos vom Ensemble des Tegernseer Volkstheaters gemeistert. Die Illusion des Theaters wurde gebrochen und die Schauspielkunst als solche trat zutage. Auch generell war die Aufführung über Mikrofon zuerst in diesem kleinen Theater etwas befremdlich, erzeugte anfangs eine ungewohnte Distanz, doch mit der Zeit gewöhnte man sich daran.

Für den Leiter des Kleinen Theater Haars, Matthias Riedel, war es ebenfalls etwas Neues. Mehrere Tage lang hatte das Bayerische Fernsehen das Theater umgebaut, die Bühne nach vorne gezogen, Beleuchtung, Mikrofone und das weitere technische Equipment mitgebracht. Die Kameras selbst während der Aufführung störten wenig bis kaum. Die Aufzeichnung der beiden Theaterabende wird am 2. April 2017 im Bayerischen Fernsehen um 19.45 Uhr zu sehen sein als Beginn einer Serie, in der das TV-Programm Theateraufführungen an kleineren Bühnen in Bayern vorstellt.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

Fotos: © Julia Müller / BR

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