lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Hintersinniges und feine Ironie

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 16. März 2016

Am Freitag, 11. März 2016, gab es ein Politikerderblecken der Haarer SPD im Bürgerhaus, wie es sonst am politischen Aschermittwoch üblich ist. Christian Jobst alias Bruder Jobst holte damit seinen Auftritt nach, der nach dem Zugunglück in Bad Aibling abgesagt worden war.

Peter König, frisch wiedergewählter Ortsvorsitzender, eröffnete den Abend. Er witzelte, es habe für ihn als Arbeitnehmer in einem italienischen Konzern einen gewissen Reiz, dass kein Italiener mehr nach Deutschland käme und griff so spöttisch das Verlangen der CDU Politiker Julia Klöckner und Guido Wolff auf, die forderten, ohne Asylgrund und Schutzstatus solle keiner mehr nach Deutschland einreisen dürfen.

Auch Christian Jobst ließ seinen Blick zuerst über die Grenzen hinaus in die Ferne, in die weite Welt schweifen. Er sprach von den »kreativen Geldern« für die Fußball-WM. Geld regiere die Welt und damit baute er die Brücke zum, wie er ihn nannte »amerikanischen Franz-Josef-Strauß«, zu Donald Trump. Und selbst an diesem Polemiker sei Bayern schuld, denn die Vorfahren von Trump wären aus dem damals bayerischen Karlstadt in der Pfalz gekommen. Sind damals die Menschen ausgewandert, so wandern sie heute ein.

Deutschland und die Völkerwanderung. Damit kam er auf die Innenpolitik zu sprechen mit viel Hintersinn. Bruder Jobst: »Es ist nicht immer gut, wenn Politiker voneinander abkupfern. Selbst unter Schwarzen muss das nicht funktionieren. Denn das visionäre ›Yes we Can‹ von Obama ist immer noch mehr als das trotzige Mantra der Kanzlerin ›Wir schaffen das‹.« Denn bei Merkel sei nicht klar, was DAS ist. »Das Land der Organisatoren verzweifelt an sich selbst«, so beschrieb er Deutschland hinsichtlich der Flüchtlinge. Gute Ansätze, die er aus Berlin aufführte, sind aus bürokratischen und administrativen Beweggründen nicht realisiert worden. »Vielleicht sollten wir das ganze Flüchtlingsdrama als Happening sehen und Kaiser Franz in das Organisationskomitee wählen. Dann fließen zwar vielleicht wieder kreative Gelder, aber wenigstens die Organisation klappt.«

Bruder Jobst bild 2

Bruder Jobst (Christian Jobst) verstand es beim Derblecken der Haarer SPD als Mönch den ermahnenden Finger mit Witz und Ironie zu erheben 

Schließlich kam er auf die bayerische Politik zu sprechen, prangerte den Sprachgebrauch von Seehofer und Söder hinsichtlich der Flüchtlingssituation an. Hinsichtlich der kommunalen Politik kritisierte er die Haushaltsrede des CSU-Gemeinderats Dr. Dietrich Keymer und warf den CSU-Gemeinderäten vor, mit der Ablehnung des Haushalts ein ganzes Mosaik aus der Wand gerissen zu haben, nur weil ein Steinchen nicht enthalten gewesen wären. Damit spannte er den Bogen zum Thema Realschule. Er richtete sich direkt an die Bürgermeisterin und forderte sie auf: »Sagen Sie jetzt einmal ganz deutlich: Ja, ich will!« Die CSU bezeichnete er als »Dauerbeleidigte«.

Sein Vorwurf ging aber auch in die eigenen Reihen. Beide, Keymer und Müller, hätten doch das gleiche Ziel. Er verwies auf die Unstimmigkeiten auf Orts- und Kreisebene der CSU wie der SPD. Bruder Jobst wandte sich an Bela Bach, Vorsitzende der Kreis-SPD: »Glauben Sie mir, die Leute haben genug vom Schwarzen-Peter-Spiel, dafür brauchen Sie abends nur den Fernseher einschalten. Lasst ihnen vor Ort die Hoffnung, dass Sie gemeinsam an Lösungen arbeiten, die Zuständigkeiten klärt bitte intern!«

Sorge bereitete dem Mönch der »Unterschriftenreflex« der CSU. Er witzelte weiter über die Plakate der CSU zum Neujahrsempfang und zum Fischessen, aber auch über die Aschermittwochs-Einladung der SPD, die in einem ersten Schreiben einen falschen Termin genannt hatte. »Oder steckt doch linke reaktionäre Agitation dahinter«, fragte er augenzwinkernd. Damit bekam Cherin Sakkal sein Fett ab. Bruder Jobst erinnerte an dessen Redebeitrag im Unterbezirk. »Wollt ihr das Recht auf Rausch, weil ihr sonst eure Wahlergebnisse nicht mehr verkraftet?« Auch vor Professor Peter Gantzer machte seine Kritik nicht halt. Voll Ironie seine Äußerungen zur Medienarbeit der SPD, zum Internet und über das Erscheinungsbild der Bürgermeisterin in der Presse. Sein Rundumschlag galt auch Dr. Alexander Zill, Peter König und Helmut Dworzak. Sein Resümee: »Und so ist es doch wieder wie jedes Jahr.«

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.
Foto: Petra Schönberger

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok