lesen-sie-auch-andere-ortszeitungen Oberdinger Kurier Logo echinger-echo neufahrner-echo herrschinger-spiegel mooskurier

Die Läuterung eines Wütenden?

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 28. Januar 2016

Sigi Zimmerschied im Kleinen Theater Haar

Viele kamen ins Kleine Theater Haar. Der Kabarettist Sigi Zimmerschied war ein Publikumsmagnet. Auf der Bühne des Kleinen Theater Haars spielte er sein Programm »Tendenz steigend«. Das Theater war am Donnerstag, 21. Januar 2016, fast ausverkauft.

Sigi Zimmerschied ist bekannt für seine scharfe Zunge, seine Wortakrobatik, seinen Hintersinn und seine Art, kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Seine Wucht, seinen stechenden Blick. So auch in Haar.

Das Programm »Tendenz steigend« behandelt parallel zwei Themenkomplexe. Die steigenden Fluten des Flusses Inn in der Drei-Flüsse-Stadt Passau und die eigene Familie, die er zum Essen eingeladen hatte. So fanden mal wieder alle zusammen. Das lässt Raum für viele gesellschaftliche Fragen der heutigen Zeit.

Das Zwiegespräch, das der Kabarettist immer wieder mit dem Inn an einem imaginären Fenster hält, führt von der Stadt Passau zum Weihbischof, an dem die klerikale Kritik sich niederschlägt. Es kommen die Behörden zur Hochwasserbekämpfung zur Sprache, sinnbildlich für den deutschen Verwaltungsapparat und seinen Beamten.

Die Familie als Spiegel der Gesellschaft thematisiert Themen, von der Regenbogenfamilie über das Hochbegabtenkind und den verstörten Hund bis hin zum dicklichen Jungen namens Berti, der Orientalistik studiert, sich mehr in digitalen Welt aufhält als in der realen und Cyber-Kalif werden möchte. Berti lässt sich entsprechend einen Bart wachsen, will nach Syrien, bleibt aber zu Hause, weil dieses Land doch zu weit weg ist.

Sigi Zimmerschied bild 1

Metaphorisch steht der steigende Flusspegel für die zunehmende dramatischen Auseinandersetzung des Kabarettisten mit den einzelnen Mitgliedern seiner Familien. Doch bevor die Familie auseinanderbricht, fällt der Pegel des Inns, der sich wieder in dem gewohnten Flussbett einfindet, so wie auch der Kabarattist wieder versöhnliche Worte für seine bunte Familie mit all den unterschiedlichen Typen findet. Er wird sie nächstes Jahr wieder zum Essen einladen.

Für den Sprachwitz sei hier nur ein Beispiel genannt, wie er von einem Lokalpolitiker spricht. „Der hat auch zwei Gesichter, mit dem einen in die Kamera, auf dem anderen sitzt er.“

2 Manchmal brauchen die Pointen, bis sie bei seinen Zuhörern angekommen sind, aber das weiß auch Sigi Zimmerschied. Trotzdem fordert er von seinen Zuhörern größte Aufmerksamkeit, beispielsweise wenn er von Schwalben erzählt, die gern bei einem Saustall nisten, wo es viele Maden und Ungeziefer gibt. Nur ganz beiläufig, in einem Nebensatz, wird man gewahr, dass der Saustall in der Nähe vom Max-Weber-Platz in München zu finden ist.

Doch alles in allem reißt es das Publikum nicht von den Stühlen. Liegt es daran, dass die behandelten Themen heute bereits von anderen, aktuelleren verdrängt worden sind? Zumindest provoziert weder das Programm noch der Kabarettist, die Angriffe wirken nicht mehr so wuchtig. Der Applaus ist herzlich und kurz. Die Zuschauer in den ersten Reihen waren miteinbezogen und mit dabei, in die hinteren Reihen schien der Funke jedoch nicht wirklich überzuspringen.

Sigi Zimmerschied bild 4

Die Kunsttherapiegruppe und Dr. Peter Vail (ganz rechts) überreichen Sigi Zimmerschied die von ihnen gemalten Bilder und Porträts

Eine Geste noch zum Schluss: Dr. Peter Vail und Künstler aus der Therapiegruppe des kbo überreichten am Ende des Auftritts Sigi Zimmerschied verschiedene großformatige Porträts, die sie von ihm gemalt hatten. Das hat bereits Tradition.

Für Sie berichtete Reinhild Karasek.

 

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden.
Weitere Informationen Ok