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„Restlicht" erinnert an 75 Jahre Reichspogromnacht

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 12. Januar 2016

Auf den Spuren der NS-Zeit
„Restlicht" erinnert an 75 Jahre Reichspogromnacht

Seit 17. Dezember soll das Kunstwerk „Restlicht" des Künstlers Werner Mally vor dem Seiteneingang des Haarer Rathauses an die Deportation und damit die Ermordung Schutzbefohlener im T4-Programm des Naziregimes erinnern.

Haarer Bürger haben es in den letzten Tagen schon verwundert von allen Seiten betrachtet. Beim Blick an die Decke des Kunstwerks werden sie dann ruhig und nachdenklich und betrachten die Jahreszahlen, die an eine dunkle Zeit in der Geschichte Deutschlands und der Gemeinde erinnern sollen.
Kurator Dr. Stefan Graupner bemerkte, dass „Haar eine mutige Entscheidung getroffen hat", „eine solche Gedenkskulptur dauerhaft in der Gemeinde zu installieren."

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400 Löcher sind es, durch die ein Rest vom Licht strahlt. Durch diese Reflexe wird die Aufmerksamkeit der Beobachter auf die acht Jahreszahlen (1938 bis 1945) an der Decke der Skulptur gelenkt. Zweifellos waren dies die dunkelsten Jahre für die Menschen in Europa.
Ursprünglich sollten die Jahreszahlen, die die Dauer des Zweiten Weltkrieges markieren, durch das Sonnenlicht auf den Boden projiziert werden. Leider fehlte die Sonne an diesem düsteren Tag, passend zu der Zeit des Zweiten Weltkrieges, die mit „Restlicht" angesprochen wird.
Für den Künstler Werner Mally ist es deshalb ein ungewöhnlicher Augenblick, das Kunstwerk dauerhaft aufzustellen.
„Restlicht" hat die Form eines Baldachins, einer provisorischen Unterkunft. Die Stahlplatte, die auf dünnen Pfeilern gestützt ist, misst eine Größe von 4x4 Meter. Der Stahl gilt als Symbol für Haut, die Zahlenpunkte für Tätowierung. Durch diese Zahlen scheint das Sonnenlicht in einem Wechsel von Licht und Schatten.
Eine weitere Skulptur dieser Art (der Prototyp) zieht seit 2012 in den Sommermonaten als nomadisches Kunstwerk um die Welt. Im Mai 2012 startete die Weltreise in Bad Ragaz in der Schweiz. Auch in Geisenfeld bei Ingolstadt machten sich die Betrachter Gedanken über dessen emotionalen Bezug zu Geschichte und Gegenwart. Bevor der Künstler die Ausstellung am Siegestor in München präsentierte, machten sich die Betrachter auch schon in Köln vor der Uni ihre Gedanken zu „Restlicht". Überall brachte Mally die Menschen mit seiner Skulptur zum Nachdenken!
Der Standort vor dem Rathaus ist aber noch nicht der endgültige Standort in Haar. Nach Fertigstellung des Jugendstilparks wird das Kunstwerk in Haar II vor dem gemeindlichen Kindergarten Casinostraße seinen endgültigen Platz finden, genau dort, wo während des dritten Reiches die Menschen aus der Klinik in Vernichtungslager deportiert bzw. in der Nervenheilanstalt vor Ort umgebracht wurden.
Bürgermeisterin Gabriele Müller hatte Bedenken, das Kunstwerk im Umfeld von demnächst zu erwartenden Baustellen, Kränen und Baggern aufzustellen. „Das ist einfach unwürdig!"
„Da dies aber nicht zu vermeiden wäre, wenn in den nächsten Jahren Wohnraum im künftigen Jugendstilpark entstehen soll, wird es in der Zwischenzeit seinen Platz am Rathaus haben, um die Auseinandersetzung mit dem Thema und die Bedeutung für unsere Gemeinde zu unterstreichen", erklärte Bürgermeisterin Gabriele Müller.
Mit dem vorläufigen Aufstellungsort der Gedenkskulptur waren auch der Künstler Werner Mally und Geschäftsführer des Isar-Amper-Klinikums München-Ost Jörg Hemmersbach sehr zufrieden. „Eine exponierte Lage", wie sich der Klinikchef freute.
„Restlicht" ist für den Künstler „die perfekte Mischung aus Treffpunkt und Schutzraum, der am Ende doch keiner ist" oder um es kurz zu sagen ein „Versammlungsort und Mahnmal".
„Damit die Bürger die Bedeutung von „Restlicht" auch wahrnehmen können, wenn die Sonne mal nicht scheint, wird in den nächsten Wochen noch eine Beleuchtung an das Werk angebracht werden", verspricht Bürgermeisterin Müller.

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Für sie berichtete Petra Schönberger

 

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