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Interview mit Jeff Baron

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 08. Dezember 2014

Interview mit Jeff Baron

Der Autor Jeff Baron beantwortete noch vor der Welt-Uraufführung, die am Freitag, 5. Dezember 2014, um 20.00 Uhr im Kleinen Theater Haar in Haar stattfand, Fragen des Haarer Echos.

„Mischpoke – neuer Besuch bei Mr. Green“ ist eine Fortsetzung der Erfolgskomödie „Besuch bei Mr. Green“, die letztes Jahr auch im Kleinen Theater Haar aufgeführt worden war. Das Stück ist in 22 Sprachen übersetzt worden und wurde in über 40 Ländern gespielt. War es eigentlich für Sie ganz selbstverständlich nach dem Erfolg von „Besuch bei Mr. Green“ eine Fortsetzung zu schreiben?

Eigentlich dachte ich nicht daran, einen Fortsetzung der Komödie „Besuch bei Mr. Green“ zu schreiben.

Dann, vor etwa sechs Jahren rief mich Michael Dangl an, der Schauspieler, der den Ross am Theater in der Josefstadt in Wien gespielt hatte. Er fragte mich, ob ich ein neues Stück über Mr. Green schreiben könnte im Auftrag des Theaters zu Ehren des 90. Geburtstags von Fritz Muliar, der in Österreich die Rolle des Mr. Green übernommen hatte. Ich habe Fritz Muliar gekannt und mochte ihn sehr. Ich wurde zwei Mal nach Wien eingeladen, einmal um das Stück zu sehen, dann um den Kulturpreis Europa 2001 entgegenzunehmen, mit dem das Theater und ich ausgezeichnet wurden. Ich sagte Michael, ich sei mir nicht sicher, ob ich das machen wolle und würde darüber nachdenken und wenn ich eine Idee hätte, würde ich seinen Vorschlag berücksichtigen.

In dem Moment, als ich den Telefonhörer auflegte, kam mir die Idee zu „Mischpoke“. Ich nahm den Auftrag des Theaters an und schrieb das Stück. Das Theater nahm die Auftragsarbeit ab und kündigte die Welt-Uraufführung zum 90. Geburtstag von Fritz Muliar an. Doch leider verstarb Fritz Muliar einige Monate vor seinem 90. Geburtstag und die Produktion wurde abgesagt.

Ich mochte das Stück, weshalb ich weiter daran arbeitete und ich freue mich, es hier in Haar zum Leben erweckt zu sehen.

Aber wie ist die Verbindung nach Haar entstanden?

Mein Agent beim Rowohlt Verlag, Bastian Häfner, stellte die Verbindung zum Kleinen Theater Haar her. Ich wollte das Stück mit Schauspielern und Publikum sehen und mir wurde gesagt, dass der Regisseur Michael Stacheder das Stück liebe und es gerne aufführen würde – so sagte ich zu.

Es ist wirklich sehr außergewöhnlich, dass ein amerikanisches Bühnenwerk in einer anderen Sprache seine Welt-Uraufführung hat. Aber gerade letztes Jahr feierte mein Stück „When I Was Five“ Premiere in Lima, in Peru, auf Spanisch. Da meine Werke in vielen Ländern aufgeführt werden, denke ich auch nicht einfach an ein New Yorker oder amerikanisches Publikum.

Jeff Baron Bild2

Schauspieler Joachim Aßfalg (links) und Regisseur Michael Stacheder (rechts) applaudieren dem Vater des Erfolgs: Autor Jeff Baron (Mitte), der aus den USA nach Haar zur Welt-Uraufführung seiner Komödie "Mischpoke - neuer Besuch bei Mr. Green" angereist war

 

Wie kam es zum Titel „Mischpoke“ – ein sehr deutscher Begriff?

Das war die Idee von Bastian Häfner. Auf Englisch habe ich noch gar nicht über einen Titel nachgedacht. In Französisch wird der Titel lauten „Visites 2 Mister Green“. Auch wenn einige Figuren jüdischer Herkunft sind, so werden doch alle, egal aus welcher Familie, angesprochen. Mr. Green und Ross hatten im ersten Stück beide einige schlechte Erfahrungen mit ihren Familien. Das ändert sich für beide im Verlauf des Stücks und verändert sich noch mehr in diesem Stück, sechs Jahre später. Mr. Green und Ross, die sich als Fremde nach einem Autounfall trafen, haben auf ihre ganz eigene Art familiäre Bande zueinander geknüpft.

Welche Rolle spielt Familie für Sie selbst?

Für mich sind Familien sehr, sehr interessant. Ich frage die Menschen immer nach ihren Familien und jeder kann eine Geschichte erzählen, die ein interessantes Theaterstück ergeben könnte. Ich bin glücklich, dass ich eine Familie habe, die ich liebe, und ebenso eine Familie von Freunden, die ich liebe. Im 21. Jahrhundert sind die Familien ganz anders. Wir leben nicht mehr alle an einem Ort und wir mögen es weniger, so zu leben wie unsere Eltern oder Großeltern gelebt haben. Ich glaube, dass alle sich diesen Veränderungen anpassen und das ist die Geschichte von „Mischpoke“.

Das Interview führte Reinhild Karasek.

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