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Wie sieht der gelungene Bühnenabgang aus?

Kategorie: Kultur Veröffentlicht: 14. Oktober 2014

Einen großen Bühnenauftritt hatte er auf jeden Fall - Josef Hader in Haar

(Text/Foto: rk) Uff! So sollen die letzten Worte sein. Zu diesem Schluss kommt Josef Hader, der dann doch noch lange nicht Schluss macht. Am Samstag, 11. Oktober 2014, spielt der Kabarettist mit seinem Programm „Hader spielt Hader“ im ausverkauften Bürgerhaus in Haar ein grandioses Spiel. Auf den ersten Blick nichts Ungewöhnliches!

 

 

Diejenigen, die da sind, begrüßen den Künstler auf der Bühne schon nach wenigen Minuten nicht mit Applaus, sondern mit großem Gelächter. Und er fragt lakonisch in den Saal des Bürgerhauses: „Wo sind die, die heute Abend nicht da sind?“ Wendet sich damit aber gleichzeitig sehr persönlich an sein Publikum, an diejenigen, die da sind.

Er räsoniert am Klavier über sein Leben, erinnert sich an seine Klavierstunden und folgert daraus, dass die Anwesenden wohl bisher am meisten Geld für einen schlechten Klavierspieler gezahlt hätten. Hader nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise in seine Gedankenwelt, von der Kindheit über die Hochzeit und eine gescheiterte Ehe bis hin zum Tod. Seine Worte dazu: „Jeder wird mal Auftraggeber vom Leichengräber.“ Hader als Sprachkünstler.

Auf einer anderen Ebene kommt der Schauspieler Hader zu Wort. Er feilscht am dramatischen Höhepunkt, der kurz vor der Pause erreicht werden soll gemäß dem Unterricht an der Schauspielschule. Er steigert die Stimmung, es wird immer lustiger und bizarrer zugleich, das Publikum hat sich gerade wieder vor Lachen ausgeschüttet, da bricht er plötzlich ab mit einer einzigen Bemerkung – und die Stimmung ist wieder dahin. Damit spielt Josef Hader virtuos.

Und genau das bringt einen zum Lachen. Hader versteht es, eine Spannung aufzubauen, redet sich selbst in Rage, Entzücken oder Verzweiflung, immer mehr, immer höher und schlägt dann urplötzlich um – und diese Fallhöhe macht seine Komik aus. Eine Komik, die im klassischen Sinn auf dem Missverhältnis zwischen dem erstrebten Schein und dem realen Sein basiert.

Ein Dramatiker par excellence, der genauso auch mit den Momenten einer Bühnenshow hin und her jongliert. Er weiht das Publikum ein in die Welt des Bühnenmanns, in die schwierigen Dialoge mit dem Lichttechniker, in die Überlegungen, welcher Bühnenabgang der beste wäre. Er gewährt dem Publikum einen scheinbaren Einblick in seine Welt. Wieder das Spiel zwischen Sein und Schein.

Er zieht das Publikum ins Vertrauen, offenbart schnoddrig radikale Ansichten, die manch einer nur hinter vorgehaltener Hand zu äußern wagen würde. Aber als Kabarettist hat er die Freiheit, darf er das. Das weiß er, spricht das ganz gezielt an und spielt damit zügellos. Von Humanismus und Freiheit kommt er folgerichtig auf Vorurteile zu sprechen, thematisiert sie gegen die verschiedensten Nationen wie Franzosen, Österreicher, Wiener im speziellen, Tschechen, Kroaten – die Reihe könnte unendlich fortgesetzt werden. Das anfängliche Lachen wird immer dünner. Hader fasst zusammen: „Die Basis jeden Lernens sind Vorurteile.“

Ein großer Sprachkünstler, Schauspieler und Kabarettist steht auf der Bühne. Aber er wäre kein Österreicher, wenn nicht auch dieser Zynismus wäre.

Hader spielt Hader bild7

Josef Hader im Kreis seines Publikums; nach der Bühnenshow sucht er das Gespräch mit seinen Fans und plaudert ungezwungen, in aller Ruhe mit jedem Einzelnen

Im Vergleich zum heutigen Kabarett oder Comedy wird der Humor dem Publikum nicht auf dem goldenen Tablett serviert, sondern man muss schon gut zuhören, um die Zwischentöne des Zynikers in ihrer ganzen Tragweite zu erfassen. So zum Beispiel seine Vermutung, die Hälfte der Österreicher wohne ja vielleicht in Kellern. In dem Kontext, in dem Hader das sagt, scheint es eine Anspielung auf die Geschichte von Natascha Kampusch zu sein. Oder könnte auch der neue aktuelle österreichische Dokumentarfilm „Im Keller“ von Ulrich Seidl gemeint sein?

Zum Ende macht sich Hader auf die Suche nach „dem“ Satz für die Zuschauer. Er will ihnen etwas mit auf den Weg geben. Einen Satz, wie er sagt, der ihnen helfen solle, wenn sie in den Spiegel sähen. Im fällt nichts anderes ein als: Uff! Und ist selbst begeistert davon. Denn darin sieht er das ehrlichste und klügste Wort überhaupt, zum Leben, weltweit.

Ein vergnüglicher Abend zum leichtfüßigen Spiel zwischen Sein und Schein. Zwischen Bild und Abbild. Hader spielt Hader. Gelungen!

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