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Wege zum Pflegekind

Kategorie: Kinder / Jugend Veröffentlicht: 05. November 2014

„Eltern auf Zeit“ zur Unterbringung von Kindern in Not – das Landratsamt sucht Pflegeeltern

Text/Fotos: rk) Dringend braucht das Pflegekinder-Team des Landratsamts München im Landkreis Ersatz-Eltern für bedürftige Kinder. Am Dienstagabend, 4. November 2014, im Kleinen Saal des Bürgerhauses der Gemeinde Haar informierten Birgit Voß und Elke Strässle ausführlich, wie Interessierte helfen können.

 

 

„Das sind meine Eltern“, sagt René mit Inbrunst. Er legt demonstrativ seine kräftigen Arme um Tineke und Hans Dekker. Die Eltern strahlen. Dabei sind es gar nicht seine leiblichen Eltern. Aber bis heute hat René bei ihnen seine Familie gefunden. Und sie lieben ihren „Sohn“, das wird in den Erzählungen deutlich. Sie sind stolz auf ihn, wie auf eines ihrer eigenen Kinder. Das einzige, was René zu Hause stört, ist das stets volle Haus. Das liegt an den vielen Kindern und mittlerweile Enkelkindern, die sich alle bei den Dekkers wohl fühlen.

Eltern auf Zeit Bild 7

Eine glückliche Familie, die das Jugendamt zusammenführte; in der vorderen Reihe v.l.n.r. Pflegevater Hans Dekker, Pflegekind René, Pflegemutter Tineke, dahinter Birgit Voß, Teamleiterin des Pflegekinderdienstes, und Elke Strässle, ebenfalls vom Pflegekinderdienst

Insgesamt haben die Dekkers bereits 9 Kinder in Pflege genommen, zusätzlich zu ihren eigenen Kindern. Den Einblick, den diese Eltern mit ihrem Pflegekind den Anwesenden an diesem Informationsabend in Haar geben, ist mehr wert als alle Theorie. Sie lauschen gebannt und auch fasziniert, wenn Tineke Dekker in ihrer frischen, fröhlichen Art die Geschichten erzählt. Da spricht jemand aus der Praxis: die Erfahrungen mit den verschiedenen Kindern, zwischen den Kindern, mit den leiblichen Eltern, mit der Herkunftsfamilie.

Angefangen hat es bei den Dekkers mit der Bereitschaftspflege, ging dann über in die Vollzeitpflege und heute übernehmen sie immer noch – aufgrund ihres Alters – wieder Bereitschaftspflege. Bereitschaftspflege bedeutet, dass die Kinder vorübergehend bei Pflegeeltern untergebracht werden. Auch ab einem bestimmten Alter kommen Interessierte nur als „Eltern auf kurze Zeit“ infrage. Auf lange Zeit gesehen, manchmal wie bei René bis ins junge Erwachsenenalter, spricht der Kinderpflegedienst des Kreisjugendamts dann von Vollzeitpflege.

Jährlich vermittelt sie mehr als 100 Kinder in Pflegefamilien, zu „Eltern auf Zeit“. Der Bedarf ist noch lange nicht gedeckt und die Tendenz steigend. Die Kinder jedoch brauchen eine Unterbringung. Und das stellenweise schnell, innerhalb von wenigen Tagen, wenn eine akute Notsituation vorliegt und die Kinder einen Ort des Schutzes und der Geborgenheit brauchen. Nicht dass die leiblichen Eltern die Kinder verstoßen würden oder gegen die Kinder gewalttätig werden würden. Nein! Oftmals ist das Wohl des Kindes durch Krankheit, Klinikaufenthalte, Drogen oder Kriminalität und Haftstrafe der Erwachsenen bedroht.

Und René ist ein Beispiel, an dem man sieht, dass die Unterbringung sinnvoll ist. Denn gerade für kleinere Kinder sei eine möglichst normale Familiensituation wichtig, um ihnen positive Entwicklungschancen bieten zu können, so die Erfahrung des Jugendamts. René war noch ein Baby, als er zu Tineke und Hans Dekker kam. Später, mit 15 oder 16 Jahren, wollte er wissen, wer seine Eltern sind. Es beschäftigte ihn die Frage, was wäre wenn. Er wollte sie kennenlernen. Seine Erkenntnis? Er hat keinen weiteren Kontakt mehr zu ihnen gesucht, weder zum Vater noch zur Mutter. Denn die Frage, die er sich damals stellte, wo er wohl heute wäre, hat er sich selbst beantwortet: „Da wäre nichts Gutes dabei rausgekommen.“

Heute sitzt der kräftige junge Mann vertraulich und gut gelaunt mit seinen Pflegeeltern zusammen und Tineke Dekker spricht von seiner Hilfsbereitschaft und Gutherzigkeit.

Um diese Entwicklungsmöglichkeit auch weiterhin so vielen Kindern wie möglich zukommen zu lassen, braucht der Pflegekinderdienst mehr Pflegeeltern. Sozial-Pädagogin Birgit Voß, als Team-Leiterin, und Kollegin Elke Strässle stellen an diesem Abend vor, wie man sich als Pflegeeltern bewirbt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen. Eine Profilerstellung hilft dem Amt, ein passendes Kind den Pflegeeltern zu vermitteln. Denn, so Birgit Voß: „Nicht jedes Kind passt in jede Familie.“ Und es geht schließlich um das Wohl jedes einzelnen Kindes.

 

Informationen zu „Eltern auf Zeit“ sind erhältlich bei:

Birgit Voß, Sozial-Pädagogin, Team-Leiterin des Pflegekinder-Teams im Kreisjugendamt des Landratsamt München

Mariahilfplatz 17, 81541 München

Tel: 089 / 6221-2699

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www.elternaufzeit.landkreis-muenchen.de

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