Familienzentrum FAM plant für die langsame Öffnung

Kategorie: Allgemeines Veröffentlicht: 19. Februar 2021

Die Grenze ist erreicht
Erstaunlicherweise passiert derzeit mehr, als die meisten annehmen – zumindest im Familienzentrum FAM: „Wir versuchen unsere Offenen Treffs online zu machen, die Resonanz ist ok. Was ganz gut läuft, sind die „Baby Cafés", bilanziert Ressortleiterin Evi Fahmüller. „Sobald die Kinder größer sind, haben die Eltern keinen Nerv vor dem Bildschirm zu sitzen." Insgesamt ist das beliebte Café-Angebot noch sehr reduziert. Bisher tappen die Mitarbeiterinnen im FAM im Dunkeln, wann und in welcher Form eine Öffnung möglich ist: „Es ist alles soweit geplant und wir geben Bescheid, sobald wir dürfen", verspricht Evi Fahmüller. „Wir haben aber auch vieles erst für nach Ostern geplant." DSC02099

Evi Fahmüller, Ressortleiterin FAM (re.), und ihre Stellvertreterin Claudia Schmoll kennen die Sorgen und Nöte ihrer Besucher

 

Neben den Online Cafés und virtuellen Vorträgen, kommt langsam wieder die Babysprechstunde in Schwung, ein erster Termin mit einer Kinderkrankenschwester, ist für Ende Februar geplant, PEKiP soll im März stattfinden, so es möglich ist:„Insgesamt ist alles sehr aufwändig. Alles, was vorher bestand, müssen wir neu besprechen." Das betrifft auch den Second-Hand-Laden, dessen Regale vor dem Schlussverkauf fast überquellen wegen Corona. „Tagelang wurden dort die Waren den Kunden zugeordnet. Wir hoffen, am 1. März die Frühjahrssaison starten zu dürfen", so Fahmüller. Überhaupt möchte die Leiterin so schnell wie möglich wieder Schritt für Schritt zurück zum Normalbetrieb: „Die jungen Mütter fühlen sich sehr allein gelassen, sie haben keine Chance Kontakte aufzubauen." Die Mitarbeiterinnen des FAM rufen gehäuft Besucher an und erleben die große Frustration und den Rückzug der Betroffenen. „Die, die im ersten Lockdown ihre Kinder bekommen haben, konnten keinen Geburtsvorbereitungskurs besuchen, genauso wenig die Rückbildung, keine Babymassagekurse. Glücklicherweise schlugen sie hier im Frühsommer au und haben so andere kennengelernt." Das FAM-Team hört in den vergangenen Wochen in Telefonaten immer wieder, wie froh diese Mütter darüber sind: „Sie hatten wenigstens kurz die Gelegenheit andere Mütter zu treffen und haben jetzt jemanden, um sich zum Spazieren gehen zu treffen."


Gedanken macht sich die Sozialpädagogin auch um die neu Zugezogenen: „Sie trifft es besonders hart. In unseren Online Cafés, können sie sich wenigstens irgendwie und ohne großen Aufwand, mit anderen Müttern austauschen. Eine weitere Gruppe, die Fahmüller im Fokus hat, sind die Mütter, die lange im FAM bekannt sind, Kindergartenkinder zuhause haben und mit ihren Kräften am Ende sind: „Da gehen Ehen kaputt, die Mütter bleiben auf der Strecke, es ist wirklich ein Drama. Gleichzeitig haben sie das Gefühl, dass niemand ihre Not sieht. Alle scheinen ins Büro zu gehen, irgendetwas zu machen, nur sie sitzen zuhause, mussten ihr 450-Euro-Jobs aufgeben, weil sie nicht wissen, wie sie das mit der Kinderbetreuung und dem Homeschooling auf die Reihe bekommen sollen."


Die erfahrene Ressortleiterin hat aber auch die überwiegende Mehrheit im Blick, die reflektiere und sich bemühe mit dem eigenen Frust umzugehen und trotzdem für die Kinder da zu sein. „Nur inzwischen ist es so lang und so anstrengend, dass selbst die, die es mit vollem Elan tragen, an ihre Grenzen stoßen." Das FAM versteht sich auch als Lotsenstelle für Familien, die Probleme haben und vermittelt an entsprechende Hilfsangebote: „Und viele sind ganz happy, weil sie es, dank der Hilfen, besser hinbekommen. Aber viel zu oft herrscht das Gefühl vor „Da ist eh geschlossen" oder „Ja mei, hilft nichts, da müssen wir jetzt halt durch. Wenn wir alles wieder normal haben, wird alles wieder gut". Das ist ein Trugschluss, der gefährlich ist, weil die Probleme häufen sich an."


Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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