Lobby für Wildbienen

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Wildbienen in Haar

Hummeltelefon wieder aktiv

Kaum kitzeln die Temperaturen im Frühling die zehn Gradmarke des Thermometers, summen, brummen und flattern Bienen, Hummeln und Schmetterlinge durch die Luft und fallen über das Buffet her, das ihnen die Natur täglich zubereitet. Zum Leidwesen der Insekten heißt der Küchenmeister oft Schmalhans. Monotone Agrarlandschaften, Flächenfraß, Zerschneidung von Lebensräumen und der Klimawandel entziehen den fliegenden Krabbeltieren die Lebensgrundlage. Blühflächen suchen sie vielerorts vergebens, was gravierende Folgen hat, sagt Sophia Metz, die seit 1. Februar Beauftragte für Artenvielfalt in Haar ist: „Rund sieben Prozent der 550 Wildbienenarten in Deutschland gelten als ausgestorben.“ Mehr als 30 weitere Arten sind vom Aussterben bedroht, knapp 200 gefährdet und mehr als 40 andere stehen auf der Vorwarnliste, laut Roter Liste der bedrohten Tierarten. Den Haarern aber liegen die Wildbienen schon lange am Herzen. „Vor zwei Jahren gab es eine Hummelkartierung. Es wurde untersucht, was es bringt, Flächen auf Magerrasen umzustellen“, erläutert Metz. „Das Ergebnis sieht man jetzt im Frühling, entlang des Fahrradwegs nach Salmdorf und Ottendichl.“ Wie 2020 gilt auch in diesem Jahr: „Wer dort eine Hummel entdeckt, kann sie fotografieren und per Whatsapp ans Hummeltelefon schicken“, erklärt die Artenvielfaltspezialistin das Kooperationsprojekt von BUND Naturschutz in Bayern und dem Institut für Biodiversitätsinformation. „Dort bestimmen sie die Hummel und informieren, um welche Art es sich handelt, registrieren sie, falls es noch nicht geschehen ist.“

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Weiter so!

Immerhin fühlen sich etwa 110 Wildbienenarten in Haar pudelwohl. Nicht selbstverständlich, denn einzig die Honigbiene ist das gehätschelte Kind in der summenden Verwandtschaft, steht als Macher der süß-klebrigen Köstlichkeit unter dem Schutz des Menschen. Dabei ist die Wildbiene die Kuschelbiene unter den fleißigen Bestäubern. Im Gegensatz zur Honigbiene, die sich für ihr Volk opfert und zusticht, sieht die Wildbiene in der Attacke eines Menschen die Ultima Ratio. Während die Honigbiene in Volkstärke mit bis zu 50.000 Tieren in einem Stock lebt, ziehen Wildbienen als Singles umher. Fehlen Nistflächen und lassen sich zu wenig Brutpartner finden, gefährdet das obendrein ihr Überleben. „Deshalb ist es so wichtig, was wir hier machen, mit den Magerrasenflächen und Bienenlehrpfad, wo ganz spezielle Pflanzen wachsen, die den Wildbienen und Schmetterlingen beim Überleben helfen“, betont Sophia Metz. Infotafeln informieren über die unterschiedlichen Bienenarten und deren Eigenheiten: „Beispielsweise legen manche ihre Eier in Holzscheide, andere in Schneckenhäuschen.“ Im eigenen Garten könne jeder seinen Beitrag leisten, besonders auch auf dem Balkon, sogar auf dem „kleinsten Meter“, sagt Sophia Metz: „Es ist machbar. In München gibt es eine ganz tolle Aktion „Wilder Meter“, da geht es um die Balkonbepflanzung mit Wildblumen und naturnahe Pflanzen.“ Die Summe der Maßnahmen bewähren sich, ist Sophia Metz überzeugt: „Wir können nicht sagen, wie es vor 20 Jahren war, aber der derzeitige Zustand ist gut. Jetzt gilt es, den zu behalten und zu fördern.“

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Wer eine Hummel sieht, Foto machen und ans Hummeltelefon schicken:
0151 18 46 01 63 (oder E-Mail: hummelfund@ifbi.net), maximal drei Fotos pro Tier

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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