Ortsverband SPD veranstaltet Abend mit Arno Helfrich aus dem Polizeipräsidium München

Kategorie: Veranstaltungen

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v.l.n.r.
Raul Würfl (Vorsitzender Ortsverband SPD), Polizeihauptkommissar Arno Helfrich, Florian Schardt (SPD-Landtagskandidat München-Land Nord, Sabine Getz (Vorsitzende Ortsverband SPD) warnen eindringlich vor Trickbetrug. „Im Zweifel die „110“!“

Sicher im Alter – Vorsicht Trickbetrug!

Die Stimme am Telefon klingt verzweifelt. Eine Frau schluchzt laut und stammelt kaum Verständliches: „Manuela bist du das?“ fragt Hildegard E. am anderen Ende der Leitung nach. „Ja, ich bin´s“, kommt die schwer zu verstehende Antwort. In diesem Moment ist die Falle für Hildegard E. zugeschnappt, denn die Anruferin gehört zu einem Team raffinierter Trickbetrüger, die jetzt von der Seniorin eine wichtige Information haben: „Manuela“ steht in einer emotionalen Bindung zu Hildegard E., vermutlich handelt es sich um die Tochter oder Enkeltochter. Von nun an hat die Bande leichtes Spiel. Mit kleinen psychologischen Tricks, gibt ein angeblicher Polizist vor,  „Manuela“ habe einen Unfall mit einem Todesopfer verursacht und müsse sofort ins Gefängnis, wenn Hildegard E. keine Kaution in Höhe von 30 000 Euro hinterlege. Die Situation, das stete Weinen und Jammern versetzt Hildegard E. unter immer größeren Druck. Schließlich bietet der „Polizist“ einen Deal an, da die Kasse im Justizgebäude bereits geschlossen sei. Sie könne das Geld dem „verständnisvollen Richter“ vor dem Sitz der Gerichte übergeben.“Manuela“ komme dann umgehend frei, versichert der „Beamte.“ Nur wissen dürfe „absolut niemand“ von dem Angebot. Die echte Polizei spricht in diesem Zusammenhang von „Schockanrufen.“ Wie erschreckend und beeinflussend diese Anrufe für Opfer sein können, belegt ein Fall besonders drastisch. Einer gebürtige Französin, die in Deutschland lebt, fällt gerade noch rechtzeitig ein wichtiges Detail auf, bevor sie mit dem Geld zur Übergabe geht: ihre Tochter lebt in Frankreich und spricht kein Wort Deutsch.

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Betrüger an der Wohnungstür

Bei Annemarie S. hingegen klingelt es an der Haustür. Dort steht ein Handwerker im Blaumann mit einem Werkzeugkoffer. Er spricht von einem Rohrbruch in einer anderen Wohnung und müsse alle Leitungen überprüfen, um herauszufinden, wo das Leck sei. Annemarie S. solle ihm umgehend alle Wasserhähne der Wohnung zeigen. Erschrocken und hilfsbereit geht Annemarie S. voran und zeigt dem „Fachmann“ zuerst das Bad und dann die Küche. Der macht sich kurz an den Hähnen zu schaffen und verwickelt Annemarie S. in ein Gespräch. Nachdem der „Installateur“ nichts feststellt, verabschiedet er sich schnell. Erst viel später bemerkt die ältere Dame das Fehlen ihres wertvollen Schmuckes und eines hohen Bargeldbetrags. Das Vorgehen ist einfach und wirkungsvoll: Während Annemarie S. sich von dem ersten Täter ablenken lässt, schlüpft ein zweiter unbemerkt in die Wohnung und kann Wertgegenstände entwenden. Es handelt sich um den „Falsche Handwerker“-Tick. Oft treten die Kriminellen aber auch als falscher Polizist, Bankbeamter oder Pflegedienst auf, macht Arno Helfrich, erster Kriminalhauptkommissar aus dem Polizeipräsidium München deutlich.

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Kriminelle bringen Geschädigte um ihr Geld

Trickbetrüger gehen dreist und sehr professionell vor. Gewissenlos machen sie sich die Hilfsbereitschaft, Höflichkeit, körperliche Einschränkungen, aber auch die fehlenden sozialen Kontakte ihrer Opfer für ihr Treiben zunutze, erklärt Helfrich den Zuhörern im gut gefüllten kleinen Bürgersaal auf der Veranstaltung „Vorsicht Trickbetrug!“ des Ortsverbands der SPD.Alleine im vergangenen Jahr zählt die Polizei im Bereich „Callcenterbetrug“ 5410 Delikte, davon 317 vollendete, die einen Schaden von über acht Millionen Euro verursachen. Den sogenannten „Enkeltrick 2.0“ (es melden sich angebliche Enkel über Whatsapp und SMS), nehmen die Beamten in München mehr als 1320 Mal auf. Der Schaden ist beträchtlich und beläuft sich auf knapp 1,7 Mio. Euro.

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Wissen schützt

Für potentielle Opfer bleibt die Frage, wie sie sich vor Betrugsmaschen schützen können. Hilfreich sei das Wissen um die Vorgehensweise der Täter in den verschiedenen Bereichen, erklärt Helfrich und schildert typische Szenarien. So „ermitteln“ falsche Polizisten telefonisch nach einem angeblichen Einbruch in der Nachbarschaft und behaupten, es gebe „Hinweise auf weitere geplante Einbrüche“. Sie stellen gezielte Fragen nach Geld und Wertsachen im Haus und bieten an, einen Beamten zu schicken, der die Wertgegenstände „in Sicherheit bringt“. Eine weitere Masche seien „Ermittlungen“ gegen Banken wegen Falschgelds. Zur Überprüfung sei nun die Abhebung eines größeren Geldbetrags notwendig. Dazu komme ein verdeckter Ermittler vorbei. Um das Opfer bestmöglich zu kontrollieren, hält einer der Täter ständig Telefonkontakt über „ID-Spoofing“. Es ist eine technische Manipulation, die Opfer in falscher Sicherheit wiegen. Kriminelle wollen den Anschein erwecken, die Polizei rufe an, da im Telefondisplay die „110“ erscheint. (Die echte Polizei ruft niemals unter der „110“ an.) Im Übrigen sprechen die Betrüger einwandfreies Deutsch, ihr Auftreten ist überzeugend, teilweise ruppig und unfreundlich. Auch im öffentlichen Bereich gehen die Täter skrupellos vor, erbitten Hilfeleistungen, verkaufen Waren oder treten als Wahrsager in Erscheinung. Schnell und beliebt sei der Geldwechsler-Trick, so Helfrich: „Die Täter fragen nach Kleingeld und kommen ihren Opfern körperlich sehr nah, verwickeln sie in Gespräche, verwirren sie und entwenden unbemerkt große Scheine“, verdeutlicht Helfrich. Ein anderes Betrugsdelikt geschieht am Geldautomaten: Mit dem sogenannten „Skimming“ verschaffen sich Kriminelle illegal Zugang zu Kartendaten.

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Im Zweifel die 110 wählen!

Was also ist zu tun? „Haben sie so wenig Bargeld wie möglich im Haus und kontrollieren sie ihre Kontostände regelmäßig“, rät Helfrich. „Wertgegenstände gehören in einen Safe. Halten sie ihre   Augen am Geldautomaten auf und bestehen auf körperliche Distanz, legen sie sich zuhause Notrufnummern ans Telefon.“ Vor allem aber gilt: „Sie bestimmen, mit wem sie telefonieren, oder wer in ihre vier Wände kommt“, schärft Helfrich den Anwesenden ein. „Geben sie keine Auskünfte über persönliche Dinge und lassen sie sich nicht unter Druck setzen. Hören sie auf ihr Bauchgefühl, legen das Telefon auf, schließen sie die Tür. Das ist keine Unhöflichkeit!“, fährt Helfrich fort und betont ausdrücklich: „Die Polizei holt weder Geld noch Wertsachen ab! Und das Wichtigste: Rufen sie im Zweifel immer die 110!“

Für Sie berichtete Manuela Praxl.

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